ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Projekt „Hearing at Home“: Technik-Hilfe für den Alltag Schwerhöriger

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Projekt „Hearing at Home“: Technik-Hilfe für den Alltag Schwerhöriger

Krüger-Brand, Heike E.

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Das Fernsehgerät wird in dem Szenario zur zentralen Schnittstelle für die Heimelektronik. Foto: Earmedia
Das Fernsehgerät wird in dem Szenario zur zentralen Schnittstelle für die Heimelektronik. Foto: Earmedia
Ein europäisches Forschungsprojekt arbeitet an Lösungen, die hörgeschädigten Menschen die Teilnahme an der Informations- und Kommunikationsgesellschaft erleichtern sollen.

Beim Fernsehen klingelt plötzlich das Telefon – für die meisten Menschen eine alltägliche Situation, doch für Schwerhörige kann die Informationsverarbeitung dieser gleichzeitig auftretenden Reize schon ein Problem bedeuten. Ob Computer, Handy oder Hi-Fi-Systeme, die technischen Errungenschaften der Kommunikationsgesellschaft bieten für das soziale Miteinander viele Vorteile. Wie kann Schwerhörigen die Nutzung von Heimelektronik im Alltag erleichtert werden, damit auch sie davon stärker als bisher profitieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Anfang Dezember 2006 gestartete europäische Forschungsvorhaben „Hearing at Home“. An dem interdisziplinären Projekt beteiligen sich neben dem Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik HörTech, Oldenburg, und dem ebenfalls in Oldenburg ansässigen Offis-Institut für Informatik drei weitere Forschungsunternehmen aus Schweden, Spanien und den Niederlanden sowie das Softwareunternehmen ProSyst, Köln.
Gerade für schwer hörende Menschen können Entwicklungen der Informations- und Telekommunikationstechnologie eine wichtige Unterstützung sein, um mittels dieser Technik Informationsdefizite im häuslichen Alltag und damit das eigene Handicap auszugleichen. Doch vor allem viele ältere Menschen mit Hör-Handicap scheuen davor zurück, diese Hilfsmittel zu benutzen. Ziel des Projekts ist es daher, eine einfach handhabbare Lösung zu finden, die Schwerhörigen den Zugriff auf technische Hilfsmittel erleichtert und ihnen zu mehr Lebensqualität verhilft.
„Eine zentrale Rolle spielt bei unserem Lösungsansatz der Fernseher“, erläutert Dr. Jens E. Appell, Offis. „Denn die Fernbedienung wird täglich häufig in die Hand genommen, und der Umgang damit ist jedem vertraut.“ Das TV-Gerät (im Zuge der Konvergenz von Computer und Fernsehgerät auch der PC als Multimediazentrale) soll daher als eine Art zentrale Schaltstelle fungieren, über die alle anderen Komponenten der Heimelektronik, wie Computer, Telefon, Fax, Wechselsprechanlage und Hi-Fi-System, aber auch Geräte wie Mikrowelle und Waschmaschine, miteinander vernetzt werden.
Die über eine Set-Top-Box vernetzte IT-Heimelektronik soll sich der individuellen Hörschädigung eines Betroffenen anpassen und ihm helfen, Sprache und andere Signale besser zu verarbeiten. So sollen Audiosignale mithilfe von Signalklassifikationen und Lärmreduzierung optimiert und die Sprachverständlichkeit erhöht werden. „Eine technische Herausforderung besteht darin, die Algorithmen der einzelnen Geräte an die akustischen Signalverarbeitungsstrategien für Schwerhörige so anzugleichen, dass sie helfen, den jeweiligen individuellen Hörverlust auszugleichen“, erläutert Appell. Auch für die Signalpriorisierung, wenn beispielsweise mehrere Signale gleichzeitig verarbeitet werden müssen, und für die Signalumsetzung, beispielsweise in Form von Schrift oder Sprache im Fernsehen, müssen Lösungen gefunden werden. So entwickelt der schwedische Forschungspartner KTH eine Software, die Sprachsignale in ein synthetisch auf dem Bildschirm erzeugtes Mienenspiel umsetzt und so das Lippenlesen am Bildschirm erleichtert.
Zusätzlich zur technischen Umsetzung soll im Projekt darüber hinaus auch die Technikaffinität der Nutzer getestet werden. So wird das Kompetenzzentrum HörTech unter anderem anhand von Fragebögen untersuchen, wie die Lösung vor allem auch von den älteren Nutzern akzeptiert wird.
Sowohl das Kompetenzzentrum HörTech, das Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Hörsystem-Technik betreibt (www.hoertech.de), als auch das Institut Offis, das unter anderem medizintechnische Software entwickelt (www.offis.de), sind Mitglieder der German Medical Technology Alliance, eines bundesweiten Netzwerkes von Kompetenzzentren für Medizintechnik. Das von Offis koordinierte Projekt hat eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren und ein Projektvolumen von rund zwei Millionen Euro (Informationen unter www.hearing-at-home.eu).
Heike E. Krüger-Brand
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