ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Widerruf der Approbation bei einem 87 Jahre alten Arzt

RECHTSREPORT

Widerruf der Approbation bei einem 87 Jahre alten Arzt

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1871 / B-1651 / C-1587

Berner, Barbara

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LNSLNS Wenn ein Arzt älter als 85 Jahre ist, das heißt, die gesetzlich festgelegte Altersgrenze für Vertragsärzte von 68 Jahren deutlich überschritten hat, dann ist zu vermuten, dass er gesundheitlich nicht mehr geeignet ist, seinen Beruf auszuüben. Die gilt selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass der Alterungsprozess individuell unterschiedlich verläuft. Der Widerruf der ärztlichen Approbation ist daher in diesem Fall gerechtfertig. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg entschieden.
Im zugrunde liegenden Fall hatte ein Arzt gegen den Entzug der Approbation geklagt. Er war zum Zeitpunkt des Prozesses 87 Jahre alt. Aus dem im Verwaltungsverfahren eingeholten nervenärztlichen Gutachten ging hervor, dass der Arzt die für eine ordnungsgemäße Ausübung seines Berufs notwendigen Fähigkeiten, mit Daten, unterschiedlichen Personen und Situationen flexibel, schnell und präzise umzugehen, nicht mehr in ausreichendem Maß besaß. Dem Gutachten zufolge war er sich dieser Grenzen nicht bewusst. Dies berge die Gefahr, dass es zu ärztlichen Behandlungsfehlern kommen könne. Auch sei der Arzt nicht mehr in der Lage, sich in dem Umfang beruflich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Entwicklung der zu seiner Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig sei.
Der Kläger hatte argumentiert, er könne den Anforderungen seines Berufs noch entsprechen. Zwar räumte er geringfügige altersbedingte Defizite ein, meinte aber, diese durch seine Berufserfahrung auffangen zu können.
Nach Auffassung des OVG kann auch eine langjährige Berufserfahrung die Fähigkeit nicht ersetzen, sich neuen Situationen anzupassen sowie sich in der gebotenen Weise fortzubilden. Ebenso wenig kann demnach die erforderliche gesundheitliche Eignung an dem gegenwärtig noch ausgeübten Umfang der ärztlichen Tätigkeit ausgerichtet werden.
Hinzu kommt, dass der Kläger offenbar von Personen aus der „Drogenszene“ ausgenutzt worden war. Die Approbationsaufhebung, auf Initiative von Apothekern in Gang gesetzt, ist daher zu Recht erfolgt. (Beschluss vom 5. Januar 2007, Az.: 8 LA 78/06) RA Barbara Berner
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