ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2007USA: Herzinfarktsterblichkeit halbiert

AKTUELL: Akut

USA: Herzinfarktsterblichkeit halbiert

Dtsch Arztebl 2007; 104(26): A-1878 / B-1658 / C-1594

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS In den USA sterben nur noch halb so viele Menschen an einem Herzinfarkt wie vor zwei Jahrzehnten. Diesen deutlichen Rückgang führen Gesundheitsforscher um Simon Capewell von der Universität Liverpool zum einen auf die verbesserte Therapie und zum anderen auf die Meidung von kardialen Risikofaktoren durch die Bevölkerung zurück (NEJM 2007; 356: 2388–98). Das Team hat ein Computerprogramm entwickelt, welches Daten zur Wirksamkeit medizinischer Therapien und zum Risikoverhalten der Bevölkerung analysiert; es errechnet daraus, welchen Anteil diese Faktoren an der kardiovaskulären Mortalität haben.
Dieses IMPACT-Modell wurde bereits auf Finnland angewendet, wo die kardiovaskuläre Sterblichkeit deutlich gesunken ist, was zu 70 Prozent auf die Vermeidung von Risikofaktoren zurückzuführen ist (Am J Epid 2005; 162: 764–73). Das andere Extrem bildet Peking, wo die kardiovaskuläre Sterblichkeit zugenommen hat, weil mit dem Wohlstand dort der Cholesterinspiegel steigt, die Bevölkerung aber noch nicht auf lieb gewonnene Gewohnheiten – wie das Rauchen – verzichten mag (Circulation 2004; 110: 1236–44).
Sekundärprävention und Revaskularisierung sind Spitzenreiter
Die neueste Analyse, durchgeführt mit einer verbesserten Software, untersucht die Entwicklung in den USA. Hier ist es zwischen 1980 und 2000 zu einem Rückgang der Todesfälle an der koronaren Herzkrankheit (KHK) von 543 auf 267/100 000 Männer und von 263 auf 134/100 000 Frauen gekommen. Grob gesagt kann man von einer Halbierung sprechen. Nach dem IMPACT-Modell ist sie zu 47 Prozent auf medizinische Fortschritte zurückzuführen, die die Autoren wie folgt aufschlüsseln:
elf Prozent durch die Sekundärprävention oder Revaskularisierung; zehn Prozent durch die Initialbehandlung des akuten Herzinfarkts; neun Prozent durch die Behandlung der Herzinsuffizienz, fünf Prozent durch die Revaskularisierung bei chronischer Angina pectoris, zwölf Prozent durch andere Therapien. Etwa 44 Prozent der gesunkenen KHK-Sterblichkeit sind einer Änderung der Risikofaktoren zu verdanken. Darunter: 24 Prozent durch die Reduktion des Cholesterinspiegels, 20 Prozent durch die Behandlung der arteriellen Hypertonie, zwölf Prozent durch den Verzicht auf das Rauchen und fünf Prozent durch vermehrte körperliche Bewegung. Die zunehmende Zahl von Übergewichtigen und Diabetikern könnte den Trend jedoch wieder umkehren. Rüdiger Meyer
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