ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2007Nordeuropa: Unfähigkeit der Politiker
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Die Würde des Menschen ist nicht priorisierbar. Dennoch müssen skandinavische Ärzte Patienten einteilen in sofort, bald, später, gar nicht oder nicht mehr Therapierbare, obschon Leid und Schmerz je nach physischer oder psychischer Konstitution absolut subjektiv empfunden werden. Auch Röntgen- oder Laborbefunde machen keinesfalls Schmerz und Leidensdruck objektivierbar. Die reziproke Proportion zwischen Lebenserwartung und Multimorbidität sowie sozialpolitisch tragbaren Ressourcen zwingt aber zur Lösung der ausufernden Problematik. Kurz gesagt: Wir werden immer älter und teurer. Ist eine Priorisierung auch bei uns durchführbar? Bisherige gesundheitspolitische Lösungsversuche fanden kaum eine Akzeptanz. Der Grund: Der Versichertengemeinschaft wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein Gesundheitskonsum von den Politikern förmlich aufgedrängt. Geworben wurde von Kurlaub bis Bauchtanz, und Gesundheitsfanatiker absolvierten zweijährig, bis zum Dutzend, Heilverfahren und im Zwischenjahr jeweils die Kassenkur. Krankfeiern diente u. a. auch der Überbrückung von Feier- und Urlaubstagen. Als ich eine Wunschkrankschreibung verweigerte, drohte die Gewerkschaft mit einer Klage (verweigerte Hilfe, Gesundheitsgefährdung). Weichspülerjuristen der Sozialgerichte fanden immer einen Grund. Die Konsumtendenz der zum Sozialmissbrauch umerzogenen Bevölkerung ist ungebrochen . . . Unfähigkeit der Politiker macht hier Ärzte zu Sündenböcken . . .
Dr. med. Ewald Behne, Mittlere Trift 8, 33175 Bad Lippspringe
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