ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2007Oberarzt-Einstufung: Keine Lebensstellung
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Mit großem Interesse habe ich den Bericht zur neu erfolgten Einstufung der Oberärzte an der Charité gelesen. Zur Umsetzung des neuen Tarifvertrags war diese notwendig geworden, und sie ist den Verantwortlichen auch in einer überzeugenden Weise gelungen . . . Leider kann ich den Optimismus des stellvertretenden Ärztlichen Direktors der Charité, Herrn Fritsche, bezüglich der damit erhofften Modernisierung des Berufsbilds und einer möglichen dauerhaften Einbindung der Oberärzte in die Universitätsklinik nicht teilen. Der Autor ist sich selbst offensichtlich nicht im Klaren, welches Ziel verfolgt werden sollte. Nach wie vor hält er an der aus dem vorletzten Jahrhundert stammenden pyramidalen Hierarchie im Krankenhaus fest und empfiehlt den Oberarzt als Zwischenschritt zum Chefarzt, sieht aber aufgrund der Gehaltssteigerung die Position des Oberarztes auch als so attraktiv, dass er sie als Lebensstellung vorstellbar hält. Dem ist definitiv nicht so. Nach wie vor ist der Gehaltssprung zwischen einem Oberarzt und dem liquidationsberechtigten Chefarzt mehr als signifikant. Zudem ist der typische Oberarzt organisatorisch (Personal, Budget, Räume) direkt weisungsgebunden und abhängig vom Klinikdirektor. Wenn man jene Kollegen, die die Klinik verlassen haben oder verlassen werden, fragt, weshalb sie dies tun, wird die direkte ad personam vorliegende Abhängigkeit in allen Dingen des Klinikalltags oft noch vor den finanziellen Nachteilen der Oberarztkarriere genannt. Die jetzt erfolgte Umsetzung der Tarifverträge ist damit in keiner Weise ausreichend, noch nicht einmal als erster Schritt, um die wirklich guten Kollegen auf ihren Oberarztpositionen zu halten. Ganz zu schweigen davon, dass in den Universitätsklinika viele Kollegen auf Beamtenstellen sitzen und damit von den Tariflohnsteigerungen nicht profitiert haben. In der Konsequenz werden auch künftig jene Kollegen, die aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Könnens Chefarztpositionen (an den Universitäten und außerhalb) erreichen können, dies anstreben. Damit wird gerade in den großen universitären Schwerpunktkliniken mit ihren komplexen Patienten das dringend notwendige Spezialwissen eher ab- als zunehmen und ständig neue Einlernphasen nachrückender Oberärzte werden die Qualität und Effizienz in der Krankenversorgung und der Forschung mehr behindern als fördern. Dabei ist die Lösung der Misere ganz einfach und auch im DÄ (siehe Bericht aus Schweden) nachlesbar: eine Abflachung der Hierarchien nach angloamerikanischen Vorbild, die Bildung von Departments mit eigenständiger Teilverantwortung und eigenem Liquidationsrecht der dort tätigen Bereichsleiter. In Kliniken privater Träger ist dies präzise erkannt worden, dortige Positionen lassen selbst Klinikdirektoren aus den rigiden Strukturen der universitären Häuser abwandern . . .
Prof. Dr. Hans Roland Dürr, Orthopädische Klinik der LMU München Großhadern, Marchioninistraße 15, 81377 München
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