ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2007Mikroskopisch kontrollierte Chirurgie bei malignen Hauttumoren: Aufwand und Kosten zu hoch

MEDIZIN: Diskussion

Mikroskopisch kontrollierte Chirurgie bei malignen Hauttumoren: Aufwand und Kosten zu hoch

Dtsch Arztebl 2007; 104(26): A-1922 / B-1699 / C-1635

Eckert, Alexander W.; Schubert, Johannes

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LNSLNS Die zugunsten des Verfahrens angeführten Kriterien überzeugen zunächst, nicht jedoch der Aufwand. Aus der Sicht des plastischen Gesichtschirurgen ergeben sich einige kritische Bemerkungen. Im über Jahrzehnte gut dokumentierten und ausgewerteten eigenen Krankenkollektiv mit vielen Tausend Patienten zeigte sich in der letzten Analyse von mehr als 1 400 primären Basalzellkarzinomen eine gleich bleibend niedrige Rezidivquote von etwa 3 %, und zwar von 1,1 % bei R0- und von 14 % bei R1-Resektionen
(1, 2).
Für den plastisch-rekonstruktiv ausgebildeten und erfahrenen Gesichtschirurgen ist es kein Problem, die empfohlenen Sicherheitsabstände (3) von 3 bis 5 mm für noduläre Wachstumsformen und 10 mm oder mehr für große Tumoren, Rezidive, rezidivträchtige BCC (Basalzellkarzinome) sowie Plattenepithelkarzinome einzuhalten und die Defekte ästhetisch anspruchsvoll zu decken.
Aus Sicht der Patientenzufriedenheit und zugunsten niedriger Behandlungskosten sollte für die im Schnitt 71 Jahre alten Patienten im Gesicht ein einzeitiges Vorgehen angestrebt werden. Die als Beleg für angeblich günstigere ästhetische Ergebnisse nach 3D-Histologie angeführte Grafik genügt nicht wissenschaftlicher Beweisführung.
De facto ergibt sich nach unserer Überzeugung und Erfahrung kein Vorteil für eine allgemeine Empfehlung der 3D-Histologie, schon gar nicht aus Sicht der Kosten. Es profitieren nach den angegebenen Daten allenfalls etwa 1 bis 2 % der Patienten von dem aufwendigen Vorgehen und praktisch keiner, wenn man die rezidivfreien Patienten nach operativer Behandlung des ersten Rezidivs einbezieht. Dann sind die Ergebnisse nicht signifikant unterschiedlich von primärer Behandlung.
Die wenigen Patienten mussten sich letztlich allenfalls dem annähernd gleichen (zeitversetzten) Aufwand unterziehen wie nach primärer mikrografisch kontrollierter Chirurgie, wie zweimaligem operativen Eingriff. Nur bei 4 von 1421 Basalzellkarzinomen konnten wir ein weiteres Rezidiv nicht verhindern.

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Johannes Schubert
Dr. med. Dr. med. dent. Alexander W. Eckert
Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
Ernst-Grube-Straße 40
06120 Halle/Saale
1.
Weigel S: Das Basaliom im Gesicht. Dissertation Halle/Saale 1987.
2.
Eichentopf C: Die non-in-sano-Resektion und Rezidivgefahr bei Basalzellkarzinomen im Gesichtsbereich. Prognostischer Aussagewert und klinische Konsequenz. Dissertation in Vorbereitung Halle/Saale 2007.
3.
Härle F: Atlas der Hauttumoren im Gesicht. München, Wien: Hanser, 1993.
1. Weigel S: Das Basaliom im Gesicht. Dissertation Halle/Saale 1987.
2. Eichentopf C: Die non-in-sano-Resektion und Rezidivgefahr bei Basalzellkarzinomen im Gesichtsbereich. Prognostischer Aussagewert und klinische Konsequenz. Dissertation in Vorbereitung Halle/Saale 2007.
3. Härle F: Atlas der Hauttumoren im Gesicht. München, Wien: Hanser, 1993.

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