ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2007Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Optimismus in unruhigen Zeiten

WIRTSCHAFT

Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Optimismus in unruhigen Zeiten

Dtsch Arztebl 2007; 104(26): A-1929 / B-1706 / C-1642

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Geschäftsergebnis der Genossenschaftsbank wächst erneut zweistellig.
Die mehr als 100 000 Mitglieder erhalten eine Dividende in Höhe von sechs Prozent.

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat im Geschäftsjahr 2006 ein Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge in Höhe von 291,6 Millionen Euro erzielt. Damit liegt das Geschäftsergebnis der „Standesbank“ der Heilberufe um 32,5 Millionen Euro oder 12,5 Prozent über dem Vorjahreswert. „Das ist ein Erfolg, über den wir uns freuen dürfen, der uns aber, wie ich immer wieder warnend betone, nicht übermütig und schon gar nicht sorglos machen darf“, sagte Günter Preuß, Sprecher des Vorstands, bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 15. Juni in Neuss. Denn die Zeiten änderten sich.
Geschäftsmodelle für angestellte Heilberufler
So geht man bei der apoBank davon aus, dass der wirtschaftlich selbstständige Vertragsarzt durch gesetzgeberische Maßnahmen weiter unter Druck geraten wird und im Jahr 2015 möglicherweise nur noch einen Anteil von 60 Prozent der ambulanten Versorgung abdeckt. Damit „der Erfolg von heute nicht bald Schnee von gestern ist“, kündigte Preuß an, neue Wege zu beschreiten: „Wenn sowohl die Berufsstände als auch der Gesetzgeber die Weichen hin zu mehr angestellten Heilberufsangehörigen stellen, dann können und dürfen wir uns dieser Entwicklung nicht verschließen.“ Die Bank werde sich – in abgestuften Prioritäten – deshalb auch Geschäftsmodellen zuwenden, die angestellte Heilberufsangehörige einbeziehen. Das schließe in letzter Konsequenz auch Geschäftsmodelle ein, die von Trägern der stationären Medizin ausgingen, unterstrich der Vorstandssprecher. Dr. med. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, kritisierte, dass dies den Interessen der niedergelassenen Fachärzte zuwiderlaufen könne; etwa dann, wenn man für eine große Klinik den Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) finanziere. „Wie lautet denn die Alternative?“, konterte Preuß. „Wenn wir das MVZ nicht finanzieren, dann tun es andere.“ Da sei es doch besser, dass die apoBank, die für den Erhalt der Freiberuflichkeit eintrete, mit im Boot sitze. So sahen es schließlich alle Vertreter. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet.
Wichtigste Ertragsquelle der apoBank bleibt der Zinsüberschuss, der um 5,7 Prozent auf 491,9 Millionen Euro stieg. Angesichts eines derzeit „mörderischen Wettbewerbs um Marktanteile im Bankensektor“ habe man dies vor allem Präventivmaßnahmen aus der Vergangenheit sowie dem weiterhin erfreulichen Zugang neuer Kunden und der damit verbundenen Expansion des Kreditgeschäfts zu verdanken, sagte Preuß. Die Zahl der Kunden stieg 2006 um netto 9 000 auf 298 000; im laufenden Geschäftsjahr ist soeben die Schwelle von 300 000 Kunden überschritten worden. Die damit verbundene Nachfrage nach Darlehen zur Existenzgründung und Immobilienfinanzierung sowie für Projekte im Gesundheitswesen erhöhte die Kundenkredite um 5,6 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro. Dies führte zu einer Ausweitung der Bilanzsumme um 11,2 Prozent auf 32,95 Milliarden Euro. Damit bleibt die apoBank die größte genossenschaftliche Primärbank in Deutschland.
Der Jahresüberschuss nach Steuern betrug 113,3 Millionen Euro (plus 7,6 Prozent). Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beschloss, den Betrag zur Ausschüttung einer vergleichsweise hohen Dividende von sechs Prozent sowie zur Stärkung des Eigenkapitals und zur vorsorglichen Abdeckung aller absehbaren Risiken aus der Geschäftstätigkeit zu verwenden.
Als Nischenanbieter will die apoBank auch künftig gegen den Trend wachsen: „Wir gehen davon aus, dass wir das laufende Geschäftsjahr mit einem mindestens ebenso guten Ergebnis abschließen wie 2006“, sagte Preuß. Bei allem Optimismus müsse man gleichwohl mit steigendem Konkurrenzdruck und mit einer erhöhten Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklungen im Gesundheitswesen rechnen. Jens Flintrop
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema