GELDANLAGE

Bedrohliche Zockerbude

Dtsch Arztebl 2007; 104(26): A-1931 / B-1708 / C-1644

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auf den amerikanischen Broker Bear Stearns kommt ein Waterloo in gewaltigem Ausmaß zu. Zwei von ihm aufgelegte Hedgefonds stehen nach hohen Verlusten und angesichts massiver Geldabflüsse vor der Schließung. Ein in einer Nachtsitzung Ende Juni eilends gestrickter Rettungsplan scheiterte kläglich.
Was war geschehen? Die beiden Fonds mit den recht sperrigen Namen „High Grade Structured Credit Strategies Enhanced Leverage Fund“ und „High Grade Structured Credit Strategies Fund“ haben seit Jahresbeginn massiv an Wert verloren, dem Vernehmen nach verspekulierte sich das Management mit Wetten im verbrieften Kreditgeschäft. Großspurige Namen bringen es am Ende halt dann doch nicht, es muss auch was dahinterstecken.
Warum eigentlich interessieren uns die selbst gestrickten Probleme irgendeiner amerikanischen Finanzadresse, kann uns doch im Grunde egal sein, ist doch alles genügend weit weg?
Ist es eben nicht. Die beiden havarierten Bear-Stearns-Fonds hatten vor Kurzem noch zusammen Anlagegelder von gut 20 Milliarden Dollar eingesammelt. Wer aber weiß, dass Hedgefonds über Kredite in der Regel ein Vielfaches der eingelegten Gelder bewegen, kann sich vergleichsweise einfach die gewaltigen Dimensionen dieser Schieflage ausrechnen.
Wie zu hören ist, haben die beiden Fonds das Eigenkapital im Verhältnis eins zu zehn „gehebelt“. Einem Dollar Eigenkapital stehen also zehn Dollar geliehenes Geld gegenüber. Die geliehenen Mittel stehen ja nicht so einfach im Raum, sondern sind von vielen anderen Finanzhäusern gewährt worden, die damit natürlich ebenfalls bedroht sind. Welch ein Irrsinn, keine Bank der Welt gäbe uns als Privatmann so viel Darlehen.Wenn nur noch zwei oder drei andere Hedgefonds mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, dann gute Nacht.
Das Bear-Stearns-Waterloo bedroht also das globale Finanzsystem ganz akut. Die Hedgefonds-Branche bedarf dringend einer besseren Aufsicht. Eine Zockerbude darf eigentlich nicht einen Finanzkollaps auslösen. Dass dies heute schon denkbar und möglich erscheint, ist erschreckend genug.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 7. Juli 2007 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn Sie also in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17.
Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.