ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007RANDNOTIZ: Zu gesund ist auch krank

AKTUELL

RANDNOTIZ: Zu gesund ist auch krank

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-1945 / B-1721 / C-1657

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zurzeit sind es die Hamburger, die Hotdogs, die Pommes frites, Cola und Limonaden sowie andere Produkte aus den Reihen von Fast
Food und Soft Drinks, die der Politik Sorge bereiten. Und das nicht mehr nur in den USA, wo der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg kürzlich ankündigte, neben Zigaretten auch Süßigkeiten verbieten zu wollen. Allerdings meinte er das zunächst nur im Scherz. Das Volk wird zu dick – auch in Deutschland –, und die Folgeerkrankungen kosten die Kran­ken­ver­siche­rung erhebliche Summen. Eine riesige Aufklärungswelle über gesunde Ernährung rollt deshalb zurzeit übers Land.
Doch auch unter den Gesundessern gibt es Kranke, sprich Essgestörte. Orthorexie heißt das Krankheitsbild, an dem diese Menschen leiden. Diese pathologische Fixierung auf gesundes Essen ist zwar in der medizinischen Wissenschaft noch nicht als Krankheit anerkannt, wird aber insbesondere unter Ernährungs- und Suchtberatern als solche diskutiert. Der Orthorektiker übertreibt – ähnlich wie der Dicke. Die Gedanken, schreibt die Berliner „taz“, kreisten ausschließlich um die nächste Mahlzeit und deren Bestandteile. Die Welt wird eingeteilt in Gut- und in Schlechtkostesser, aufgrund extremer Essgewohnheiten geraten Freundschaften in Gefahr, Mangelerscheinungen drohen. Das Leistungsprinzip, zitiert die Zeitung Dr. Christiana Gerbracht vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung, ersetze auch beim Essen mehr und mehr das Genussprinzip. Der Sinn für Letzteres scheint in der Tat in der Diskussion um Diäten, Bikini- oder Badehosenfiguren, um Über- und Untergewicht und dessen Folgen verloren gegangen zu sein.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema