ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Erklärungsnotstand: Die Grippe-Epidemie 1918–1920 in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung Badens

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Erklärungsnotstand: Die Grippe-Epidemie 1918–1920 in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung Badens

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-1980 / B-1746 / C-1682

Witte, Wilfried

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Medizingeschichte
Schlechte Forschungslage

Seitdem die Angst vor der Vogelgrippe umgeht, ist auch das Interesse an einer lange Zeit verdrängten Seuche gewachsen – der Grippe-Epidemie von 1918–1920, die allein in Deutschland mehr als 250 000 Tote forderte. Im Unterschied zu anderen Ländern (zum Beispiel den USA), wo die Influenza ebenfalls Hunderttausende von Toten forderte, fehlte es bislang in Deutschland an grundlegenden medizinhistorischen Untersuchungen zu dieser Seuche. Angesichts der schlechten Forschungslage ist es sinnvoll, sich zunächst auf eine Regionalstudie zu begrenzen.
Das Beispiel Baden ist gut gewählt, wenngleich auch dort die Quellen nicht so reichlich fließen, dass die Perspektive der Betroffenen ausreichend berücksichtigt werden konnte. Ausführlich wird das Krisenmanagement – das diesen Namen eigentlich kaum verdient – auf staatlicher und kommunaler Ebene geschildert. Nicht nur die Militärzensur, auch das beredte Schweigen der Zivilbehörden trug dazu bei, dass die Bevölkerung nur unzureichend über das wahre Ausmaß der Epidemie informiert wurde. Doch man würde es sich zu einfach machen, den Gesundheitsämtern in der damaligen Situation gegen Kriegsende krasses Versagen vorzuwerfen. Weder kannte man damals den Erreger der Seuche (Viren als Krankheitserreger wurden erst 1933 nachgewiesen) noch stand eine wirksame Therapie zur Verfügung. Im Abschlussbericht des Reichsgesundheitsamts aus dem Jahre 1923 heißt es lapidar: „Was die Behandlung der Influenza angeht, so ist nach dieser Richtung im Verlaufe der Epidemie wohl so ziemlich alles versucht worden, was in dem Heilschatze der älteren, neueren und neuesten Medizin überhaupt in Frage kommen konnte.“ Robert Jütte

Wilfried Witte: Erklärungsnotstand. Die Grippe-Epidemie 1918–1920 in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung Badens. Centaurus Verlag, Herbolzheim, 2006, 552 Seiten, kartoniert, 28,90 Euro
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