szmtag Kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Typ-II-Diabetikern in Deutschland – ein Versorgungsparadox: Lebensweise verändern
ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Typ-II-Diabetikern in Deutschland – ein Versorgungsparadox: Lebensweise verändern
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LNSLNS Die Autoren beklagen die anhaltend hohe Rate an makrovaskulären Folgeerkrankungen beim Typ-2-Diabetes im DMP und führen dies auf eine unzureichende Versorgung mit Lipidsenkern zurück. Die untersuchten Patienten sind zu 82,1 % übergewichtig und leiden neben der Hyperglykämie an Hypertonie und Dyslipidämie, das heißt am metabolischen Syndrom. Der Typ-2-Diabetes ist Bestandteil des metabolischen Syndroms und muss, nach heutigem Kenntnisstand, als eigenständige Entität angezweifelt werden. Eine zentrale Rolle beim metabolischen Syndrom spielt die Insulinresistenz mit reaktiver Hyperinsulinämie. Wegen der zentralen Steuerungsfunktion des Insulins verursacht eine Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie eine Entgleisung im Energiestoffwechsel zwischen Muskulatur, Leber und Fettgewebe. Molekularbiologisch, experimentell und klinisch führt eine chronische Hyperinsulinämie durch direkte Insulineinwirkung an den Gefäßwänden zu einer vorzeitigen Atherosklerose. Die meisten Typ-2-Diabetiker, die vor der Manifestation ihrer Glucoseverwertungsstörung eine lange Phase der asymptomatischen Hyperinsulinämie durchlebt haben, entwickeln bereits lange vor dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes eine Makroangiopathie. Medikamentös hat bisher nur Metformin, als Insulinsensitizer, eine prophylaktische Wirkung gegen die Makroangiopathie gezeigt. Metformin senkt vorwiegend den Insulinspiegel und indirekt, durch eine Verbesserung der Insulinwirkung, den Blutzucker.
Die Therapieempfehlungen im Rahmen des DMP orientieren sich an Zielwerten für die Glucose, Hypertonie und Hyperlipidämie. Die Reduzierung oder Behebung der Insulinresistenz, die eigentliche Kausalität, bleibt unberücksichtigt. Die Insulinsekretion ist überwiegend von der Insulinsensibilität der Muskulatur abhängig. Aktiver Sport und Gewichtsreduktion mit einer fettreduzierten Kost sind von entscheidender Bedeutung. Beides hängt von der Compliance des Patienten ab und nicht
von der ärztlichen Betreuung. Patienten, die am metabolischen Syndrom leiden, müssen ihre Lebensweise grundlegend verändern. Ob allerdings das DMP mit sekundärem Krankheitsgewinn diese genussverwöhnte Patientengruppe aus ihrer regressiv oralen Lebensführung herausführt, darf bezweifelt werden.

Dr. med. Pompilio Torremante
Marktplatz 29
88416 Ochsenhausen
E-Mail: dr.torremante@onlinemed.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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