ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Typ-II-Diabetikern in Deutschland – ein Versorgungsparadox: Methodische Probleme

MEDIZIN: Diskussion

Kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Typ-II-Diabetikern in Deutschland – ein Versorgungsparadox: Methodische Probleme

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-1996 / B-1762 / C-1698

Egidi, Günther

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LNSLNS Den Autoren ist bei ihrem ausführlichen Überblick zur Versorgung deutscher Diabetiker uneingeschränkt Recht zu geben, dass die Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos von Diabetikern durch Blutdruck- und Statinbehandlung effektiver ist als die Blutzuckersenkung.
Methodisch ist die Arbeit aber problematisch – bei der Rekrutierung von Praxen und Patienten wurde selektiert. 3 213 Ärzte schickten je 17 Fragebogensätze. Bei einer geschätzten Diabetes-Prävalenz von 10 % pro Praxis sind 100 bis 150 Diabetiker zu erwarten – wer wurde eingeschlossen? Ohne entsprechende Darstellung ist die Untersuchung wertlos. Ein unverzeihlicher Fehler für versorgungsepidemiologische Untersuchungen.
Weiterhin sind die zitierten Behandlungsziele fragwürdig.
- Nur Diabetiker mit einem erhöhten Gesamtrisiko profitieren von einer Blutdrucksenkung – eine junge Nichtraucherin mit Blutdruck 160/80 mm Hg hat nur minimalen Nutzen.
- Die allgemein empfohlenen LDL-Ziel-Werte sind nicht belegt. Die Heart Protection Study zeigte die Unabhängigkeit der Simvastatin-Wirkung von der metabolischen Ausgangssituation.
- Diabetes ist nicht gleich koronare Herzkrankheit. In der viel zitierten Studie von Haffner wurden nur medikamentös behandelte, nur nach Alter und Geschlecht adjustierte Diabetiker betrachtet. Demgegenüber zeigen viele multipel adjustierte Studien bei Diabetikern ein zwar erhöhtes, jedoch weit unter dem von Patienten nach bereits durchgemachtem Myokardinfarkt liegendes kardiovaskuläres Risiko (weitere Zitate beim Verfasser). Von Diabetes als einem Zustand der Sekundärprävention zu sprechen ist somit nicht zulässig.
Es ist erfreulich, dass im Deutschen Ärzteblatt Interessenkonflikte benannt werden. Dass bis auf Professor Berthold alle Autoren mit Herstellern von Statinen in Verbindung stehen, mag dem Leser zu denken geben.

Günther Egidi
Huchtinger Heerstraße 41, 28259 Bremen
E-Mail: familie-egidi@nord-com.net

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Huchtinson A et al.: National Clinical Guidelines for type 2 diabetes – blood pressure management. http://www.shef.ac.uk/guidelines
2.
Hayward RA, Hofer TP, Vijan S: Lack of evidence for recommended low-density lipoprotein treatment targets: a solvable problem. Ann Intern Med 2006; 145: 520–30. MEDLINE
3.
Cho E, Rimm EB, Stampfer MJ et al.: The impact of diabetes mellitus and prior myocardial infarction on mortality from all causes and from coronary heart disease in men. The Health Professionals' Follow-up-Study. J Am Coll Cardiol 2002; 40: 954–60. MEDLINE
1. Huchtinson A et al.: National Clinical Guidelines for type 2 diabetes – blood pressure management. http://www.shef.ac.uk/guidelines
2. Hayward RA, Hofer TP, Vijan S: Lack of evidence for recommended low-density lipoprotein treatment targets: a solvable problem. Ann Intern Med 2006; 145: 520–30. MEDLINE
3. Cho E, Rimm EB, Stampfer MJ et al.: The impact of diabetes mellitus and prior myocardial infarction on mortality from all causes and from coronary heart disease in men. The Health Professionals' Follow-up-Study. J Am Coll Cardiol 2002; 40: 954–60. MEDLINE

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