ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Ätiologie und Prävention des Harnblasenkarzinoms: Chronische Schistosomiasis mit Harnblasenkarzinom assoziiert

MEDIZIN: Diskussion

Ätiologie und Prävention des Harnblasenkarzinoms: Chronische Schistosomiasis mit Harnblasenkarzinom assoziiert

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-1998 / B-1764 / C-1700

Werfel, Uwe

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LNSLNS Neben dem Zigarettenrauchen werden berufliche Expositionen als wichtigste Risikofaktoren genannt. Umweltbedingten Expositionen wird nur eine geringe Rolle beigemessen.
Diese Sichtweise berücksichtigt nicht die weite Verbreitung einer der wichtigsten tropenmedizinischen Erkrankungen, der Schistosomiasis oder Bilharziose. Schistosoma haematobium, als Erreger der urogenitalen Schistosomiasis, ist in 54 Ländern in Afrika einschließlich des Nahen Ostens und einem umschriebenen Herd an der Westküste Indiens endemisch. Die Zahl infizierter Menschen wird auf 90 Millionen geschätzt. Die Prävalenz liegt im Niltal bei 90 %. Die chronische Schistosomiasis des Urogenitaltraktes ist epidemiologisch mit dem Plattenepithelkarzinom der Harnblase assoziiert. In Ägypten ist das Plattenepithelkarzinom der Harnblase mit einem Anteil von circa 25 % aller Krebsarten sogar die häufigste Tumorentität (1, 2).
Angesichts dieser Daten wiegt das berufliche Risiko in Deutschland unter Berücksichtigung der anerkannten Fälle einer BK 1301 im Zeitraum von 1978 bis 2003 mit insgesamt 1 211 Versicherten vergleichsweise niedrig.
Die Autoren haben nach eigenen Angaben die versicherungsrelevanten beruflichen Ursachen in ihrer Arbeit besonders berücksichtigt. Dazu gehört aus meiner Sicht der Hinweis, dass bei Patienten mit Harnblasenkarzinom und beruflichem Auslandsaufenthalt in der Reiseanamnese gegebenenfalls der Verdacht einer BK 3104 berücksichtigt werden muss.
Bezüglich der beruflichen Expositionen gegenüber aromatischen Aminen möchte ich noch die Benzidinprobe erwähnen (3). Hierbei handelt es sich um einen analytischen Test unter Verwendung von Krebs erzeugendem Benzidin als Reagenz zum Nachweis von okkultem Blut. Dieser Test wurde über Jahrzehnte unter anderem in klinischen Laboratorien und in der Gerichtsmedizin angewendet. Somit dürfte die Zahl der Exponierten nicht unerheblich sein.

Dr. med. Uwe Werfel
Infektiologie
Kliniken-Essen-Mitte
Henricistraße 92
45136 Essen
1.
Löscher T, Ruppel A, Schubert S: Schistosomiasis (Bilharziose). In: Lang W, Löscher T (Hrsg.): Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Stuttgart: New York: Thieme 2000; 102–24.
2.
Ross AGP, Bartley PB, Sleigh AC, Olds GR, Li Y, Williams GM, McManus DP: Schistosomiasis. N Engl J Med 2002; 346: 1212–20. MEDLINE
3.
Popp W, Brüning T, Straif K: Krebserkrankungen durch den Beruf. Dtsch Arztebl 2003; 100(1–2): A 35–40. VOLLTEXT
1. Löscher T, Ruppel A, Schubert S: Schistosomiasis (Bilharziose). In: Lang W, Löscher T (Hrsg.): Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Stuttgart: New York: Thieme 2000; 102–24.
2. Ross AGP, Bartley PB, Sleigh AC, Olds GR, Li Y, Williams GM, McManus DP: Schistosomiasis. N Engl J Med 2002; 346: 1212–20. MEDLINE
3. Popp W, Brüning T, Straif K: Krebserkrankungen durch den Beruf. Dtsch Arztebl 2003; 100(1–2): A 35–40. VOLLTEXT

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