ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Ätiologie und Prävention des Harnblasenkarzinoms: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Ätiologie und Prävention des Harnblasenkarzinoms: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-1998 / B-1764 / C-1700

Golka, Klaus

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LNSLNS In Deutschland ist aktuell die Bedeutung der Bilharziose als mögliche Folge eines privaten oder beruflichen Auslandsaufenthaltes gering. Derzeit gibt es keine genauen Zahlen, weil die Bilharziose zu den nicht meldepflichtigen Reisekrankheiten gehört. Für das Jahr 2005 wurden durch das Surveillance-System SIMPID insgesamt 24 Fälle von Schistosomiasis in Deutschland registriert. 12 Personen waren Ausländer aus Endemiegebieten, die übrigen waren Reisende aus Deutschland oder Auslandsdeutsche (1). Eine Bilharziose verursacht häufig zu Beginn der Erkrankung Beschwerden. Durch Medikamente können die Erreger mit großer Sicherheit abgetötet werden. Daher dürfte ein durch eine beruflich bedingte chronische Bilharziose ausgelöster Harnblasenkrebs hierzulande eine absolute Rarität sein. Aufgrund der Häufigkeit dieser Erkrankung in anderen Regionen muss allerdings bei Ausländern aus Endemiegebieten ein durch diese Tropenkrankheit bedingtes Harnblasenkarzinom bei entsprechenden Beschwerden differenzialdiagnostisch stets in Betracht gezogen werden. Hinsichtlich der Anmerkung zu Benzidin kann bestätigt werden, dass die Verwendung von Benzidin im Rahmen des Nachweises von okkultem Blut früher üblich war. Die mit dieser Anwendung verbundene Exposition gegen Benzidin ist jedoch im Allgemeinen als eher gering einzustufen.
Die auf einer großen persönlichen Erfahrung beruhende Zuschrift von Herrn Dr. Stasik hat die Autoren sehr gefreut. Aufgrund der Beschränkungen bei Textlänge und Anzahl der Literaturstellen konnte auf seine Erstbeschreibung und das auf dem Kongress der International Commission on Occupational Health 2000 in Singapur präsentierte Follow-up (2) nicht speziell hingewiesen werden. Die Exposition gegen 4-Chlor-o-toluidin war, nach gegenwärtigem Kenntnisstand, vor allem bei der Produktion mit einem höheren Harnblasenkarzinomrisiko verbunden, wie Zahlen von Produktionsstandorten in mehreren Ländern belegen (3).

Prof. Dr. med. Klaus Golka
Institut für Arbeitsphysiologie
an der Universität Dortmund
Ardeystraße 67
44139 Dortmund

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Reiseassoziierte Infektionskrankheiten im Jahr 2005. 2006; 37: 323.
2.
Stasik MJ, Konietzko J, Godlewski A, Fortak W: Current studies of 4-chloro-o-toluidine and chlordimeform carcinogenicity. 26th International Congress on Occupational Health, 27th August – 1st September 2000, Singapore. Scientific Programme and Abstracts 311.
3.
Abbott PJ: Chlordimeform. World Health Organisation, Geneva. Environmental health criteria 1998; 199: 112–3. http://www.inchem.org/documents/ehc/ehc/ehc199.htm
1. Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Reiseassoziierte Infektionskrankheiten im Jahr 2005. 2006; 37: 323.
2. Stasik MJ, Konietzko J, Godlewski A, Fortak W: Current studies of 4-chloro-o-toluidine and chlordimeform carcinogenicity. 26th International Congress on Occupational Health, 27th August – 1st September 2000, Singapore. Scientific Programme and Abstracts 311.
3. Abbott PJ: Chlordimeform. World Health Organisation, Geneva. Environmental health criteria 1998; 199: 112–3. http://www.inchem.org/documents/ehc/ehc/ehc199.htm

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