ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2007Deutsche Wertarbeit, gottlob

GELDANLAGE

Deutsche Wertarbeit, gottlob

Dtsch Arztebl 2007; 104(27): A-2008 / B-1772 / C-1708

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wie war das noch mal? Zwei Hedgefonds gehen mit milliardenschweren Verlusten baden, obwohl sie irgendetwas mit verbrieften Kreditforderungen aus Immobiliengeschäften zu tun hatten. Werden am Ende nicht auch bei solchen waghalsigen Konstruktionen sichere Papiere, möglicherweise meine, als Rettungsanker unterlegt?, denkt sich so mancher besorgte Anleger.
In der Tat – die Wogen um havarierte Immobilien und kaputtgegangene Immobilienfinanzierungen, vor allem in den USA und Spanien, sind immens hoch geschlagen. Die sogenannte Subprime-Krise, gemeint sind damit die Ausfälle von fußkranken Schuldnern, die private Hypothekenkredite aufgenommen haben, reißt mittlerweile große Adressen wie jüngst eben auch den US-Broker Bear Stearns zu Boden. Dessen Hedgefonds verspekulierten sich mit „Collateralized Debt Obligations“, gekoppelt mit einem sagenhaften Kredithebel. Nun ist die Welt mittlerweile ein globales Dorf geworden, erst recht bei Finanzkonstruktionen, und glaube ja keiner, dass es diese Produkte in Europa und Deutschland nicht gebe, versteckt in einer Reihe von passenden Zertifikaten. Die zentrale Frage ist nur: Darf der Anleger, der deutsche Hypothekenpfandbriefe in seinem Depot als seiner Meinung nach absolut sichere Wertpapiere hält, weiterhin ruhig schlafen, oder sollte er den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, ernst nehmen?
Die Antwort vorweg. Kein Grund zur Sorge. Der deutsche Pfandbrief hat mit der Subprime-Krise weit und breit nichts zu tun. Das Traditionspapier Made in Germany, das zuweilen, aber völlig zu Unrecht, als langweilig und verstaubt angesehen wurde, hat große Chancen, vom Markt wiederentdeckt und geliebt zu werden. Denen, die von jeher auf Pfandbriefe als risikoloses Wertpapier setzten, können die Eulen eh nicht nachgetragen, aber deren Anlagepolitik kann doch sehr anerkennend bestätigt werden.
Die einzigartig sichere Konstruktion des deutschen Pfandbriefs beruht darauf, dass nicht die zugrunde liegenden Hypotheken verbrieft, sondern diese in einen Deckungsstock übertragen werden. Aus diesem Stock speisen sich dann die Zins- und Tilgungsleistungen der Pfandbriefe. Gutachter ermitteln dann nach recht konservativen Kriterien für jede Immobilie einen eigenen Beleihungswert, von dem aber wiederum nur 60 Prozent als Deckung verwandt werden dürfen. Bei einer Zwangsversteigerung reicht es also aus, wenn das Objekt 60 Prozent des Beleihungswerts abwirft. Das Pfandbriefgesetz sorgt zudem dafür, dass die Inhaber des Wertpapiers selbst dann ihr Geld bekommen, wenn die emittierende Bank pleitegeht, da der Deckungsstock bei einem Konkurs nicht angetastet werden darf.
Für qualitätsbewusste und sicherheitsorientierte Anleger sind deutsche Pfandbriefe also erste Wahl. Erst recht in Zeiten wie diesen.
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