ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2007Organspende: Noch viele Fragen offen
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Immer wieder werden im DÄ und in Tageszeitungen die zu geringe Zahl von Organspenden für die Transplantation in Deutschland beklagt. Verschiedene Gründe werden angeführt, die für diesen Mangel verantwortlich sind, aber über ein Problem wird geschwiegen. Im Kollegenkreis der Krankenhausärzte haben wir darüber wohl diskutiert, aber geschrieben wird darüber nicht. Kann es sich um ein Tabu handeln? Beim gedeckelten Budget der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung führt jede kostspielige Maßnahme zugunsten einiger zu einer Verschärfung der Mangelsituation bei allen anderen. Sollte der Krankenhausarzt dies vor der Meldung eines potenziellen Organspenders etwa nicht berücksichtigen? Bei der Transplantation einer Niere beim Dialysepatienten oder einer Leber beim akuten Leberversagen oder bei Stoffwechselkrankheiten stellt sich die Frage nicht so drängend, aber wie ist es mit der Transplantation von Herz, Lungen, Pankreas, Dünndarm und bei der Transplantation einer Leber bei infektiöser Hepatitis/ Zirrhose wegen der zusätzlich notwendigen kostspieligen virostatischen Maßnahmen? Fließt für teuren medizinischen Fortschritt etwa zusätzlich Geld von außen ins System? Wenn nein, wer muss zurückstecken? Darf man solche Fragen angesichts des „Todes auf der Warteliste“ überhaupt stellen? Soll die Entscheidung, was bei welcher Indikation transplantiert wird, den Spezialisten überlassen werden? Kann nach einer Organtransplantation wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen werden? Sollten wir vielleicht das vom Gesetzgeber eingerichtete „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ bitten, von einem neutralen Standpunkt aus das Kosten-Nutzenverhältnis der Transplantation verschiedener Organe in Deutschland zu untersuchen? Vielleicht hilft uns ein solches Gutachten, die Entscheidung zur Organtransplantation auf eine finanziell durchsichtige Basis zu stellen.
Prof. Dr. med. Gerhard E. Feurle, Eduard-Mörike-Straße 12, 56567 Neuwied
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