szmtag Vorsorgeregister: Trügerisches Vertrauen
ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2007Vorsorgeregister: Trügerisches Vertrauen
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Zum wiederholten Mal verweist das DÄ auf die Sicherheit einer Vorsorgevollmacht und ähnlichen Instrumenten, die uns, wenn wir einmal hilflos werden, Schutz gewähren sollen. Dass die Patientenverfügung heikel sein kann, haben wir gelernt, aber auch die Vorsorgevollmacht scheint nicht zu halten, was sie verspricht, wie die folgende Geschichte lehrt: Eine alte Dame (78), selbst ohne körperliche und geistige Beeinträchtigungen, lässt ihren demenzkranken Ehemann tagsüber in einer privaten Tagespflege betreuen. Sie kündigt den Vertrag, um den Pflegedienst zu wechseln. Am Tag nach der Kündigung kommt der Ehemann abends nicht wie gewohnt nach Hause. Auf Nachfrage erfährt die Frau, dass ihr Mann in die stationäre Pflegeeinrichtung der Betreiberin der Tagespflege gebracht worden sei und dort auch bleiben werde. Möglich gemacht hatte dies ein Eilantrag auf amtliche Betreuung durch die Betreiberin des besagten Pflegedienstes. Der Amtsrichter sah „Gefahr im Verzug“ und gab dem Antrag statt. Seit diesem Zeitpunkt (der Fall ereignete sich im März) durfte der Mann nicht ein einziges Mal, auch nicht stundenweise, nach Hause. Versuche der Frau, ihren Mann in der Einrichtung zu besuchen, werden durch das Personal behindert. Und jetzt das, was aufhorchen lässt: Die alte Dame ist im Besitz einer notariell beglaubigten Vorsorgevollmacht neuen Datums für ihren Ehemann. Die alte Dame wendet sich Hilfe suchend an das örtliche DRK, das sich ihrer Sache annimmt. Ein Anwalt und die örtliche Presse werden hinzugezogen, und jeder erwartet, dass das Amtsgericht seine Entscheidung, vielleicht mit einer Entschuldigung an die alte Dame, berichtigen wird. Es findet eine nachträgliche Anhörung durch den zuständigen Richter in den Räumen der Tagespflege statt. Als Ergebnis dieser Anhörung befindet der Richter, dass die Anordnung der Betreuung rechtens gewesen sei, nichts zurückgenommen werden müsse, und die Vorsorgevollmacht dementsprechend nicht zur Wirkung gelangt. Der Fall wird wohl noch die nächste Instanz beschäftigen, und das letzte Wort ist vielleicht noch nicht gesprochen. Trotzdem zeigt der Fall schon jetzt, dass das Vertrauen auf eine Vorsorgevollmacht trügerisch sein kann, wenn die Interessen Dritter berührt werden . . .
Dr. med. Jürgen Schroeder, Otterstraße 15, 21762 Otterndorf
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