ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2007Medizinische Versorgungszentren: Für gut befunden

WIRTSCHAFT

Medizinische Versorgungszentren: Für gut befunden

Dtsch Arztebl 2007; 104(28-29): A-2075 / B-1831 / C-1767

Schulte, Hendrik; Schulz, Carsten

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LNSLNS Ärzte, die in Medizinischen Versorgungszentren tätig sind, schätzen das Arbeitsklima und sehen die Versorgung im Vergleich zum traditionellen System verbessert.

Ein aktuelles Forschungsprojekt an der Universität Osnabrück beschäftigt sich mit der Frage, ob die Implementierung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu einer Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung im Vergleich zum traditionellen Versorgungssystem (Einzel- oder Gemeinschaftspraxis) führt. Anhand eines Fragebogens haben die Probanden zahlreiche Aspekte aus den Bereichen Potenzial-, Prozess- und Ergebnisqualität bewertet, gewichtet und mit dem traditionellen Versorgungssystem verglichen. Der Fragebogen umfasste dabei folgende Themenbereiche: Arbeitstätigkeit, Infrastruktur und Ausstattung, organisatorische Abläufe, Arbeitszeit, Weiter- und Fortbildung, Gründe für eine Beschäftigung im MVZ sowie abschließende Fragen.
Bei der Gewichtung und Bewertung der Aspekte der Potenzialqualität nimmt die ausreichende medizinische Geräteausstattung den höchsten Rang ein. Nachfolgend wurden von der Mehrheit der Ärzte die Aspekte „Fortbildungsangebote“ und „Unterstützung bei Fortbildung durch das MVZ“ als wichtig und zutreffend eingestuft.
Potenzialqualität
Trotz einer überwiegend positiven Bewertung wird von den oben genannten elementaren Voraussetzungen für eine optimale Patientenversorgung von einem Teil der Ärzte das EDV-System als kaum oder als nicht ausgereift beziehungsweise nicht ausreichend für die ambulante Behandlung angesehen. Ob aus ärztlicher Sicht in MVZ eine Verbesserung der Potenzialqualität erreicht wird, soll der Vergleich mit der medizinischen Einrichtung, in der die Ärzte vorher tätig waren, ergeben (Grafik 1).
Bis auf die Aspekte „raumklimatische Bedingungen“ und „Existenz von Sozialräumen“ weisen alle anderen Aspekte der Potenzialqualität in MVZ eine positive Tendenz zur Verbesserung auf. Bei den Ergebnissen ist insbesondere die Unterstützung des ärztlichen Personals bei der Nutzung des Weiter- und Fortbildungsangebots durch das MVZ hervorzuheben. Im Bereich der infrastrukturellen Ausstattung der MVZ werden besonders die medizinische Geräteausstattung, die E-Patientenakte und das Mobiliar im Vergleich zu anderen medizinischen Einrichtungen als deutlich besser beurteilt.
Prozessqualität
Die Aspekte der Prozessqualität, deren Wichtigkeit besonders hoch eingestuft wird, zielen auf die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten im MVZ ab. Im Einzelnen sind dies die Aspekte „angenehmes Arbeitsklima“, „Abstimmung des Personals“ und „medizinisch sinnvolle Zusammenarbeit“.
Die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten in MVZ, ausgedrückt durch das angenehme Arbeitsklima, die Abstimmung des Personals, die medizinisch sinnvolle Zusammenarbeit und strukturierte Arbeitsabläufe, erfährt durch die Betroffenen mit großer Mehrheit
eine weitgehende beziehungsweise volle Zustimmung. Die patientenbezogenen Aspekte (Beteiligung am Behandlungsprozess, umfassende Patienteninformation, angemessene Wartezeiten) werden vom ärztlichen Personal in den MVZ als weitgehend beziehungsweise voll erfüllt bewertet.
Bei der weiteren Betrachtung sind die Aspekte „Erledigung der Arbeit in der regelmäßigen Arbeitszeit“ und „ungestörte Erledigung der Dokumentation“ hervorzuheben. Circa ein Drittel des ärztlichen Personals kann die anfallende Arbeit in der vorgesehenen Zeit kaum beziehungsweise nicht erledigen, und sogar über die Hälfte der Ärzte ist in der normalen Arbeitszeit nicht beziehungsweise kaum in der Lage, bestimmte Tätigkeiten (zum Beispiel Dokumentationen) ungestört durchzuführen. Bei der Prozessqualität werden deutliche Verbesserungen insbesondere bei den Aspekten des Themenbereichs „Qualität der Behandlung“ herausgestellt (Grafik 2).
Bei den Ergebnissen der Aspekte „medizinisch sinnvolle Zusammenarbeit“ und „Vermeidung von unnötigen Doppeluntersuchungen“ zeigen sich erste Erfolge hinsichtlich der Intentionen des Gesetzgebers. Die Aspekte „Rücksichtnahme anderer Berufsgruppen auf meine Arbeitszeit“, „Erledigung der Arbeit in der regelmäßigen Arbeitszeit“ weisen eine deutliche und der Aspekt „ungestörte Erledigung der Dokumentation“ eine leichte Verbesserung auf.
Ergebnisqualität
Trotz einiger Defizite, besonders in den Themenbereichen „Infrastruktur und Ausstattung“, „Organisatorische Abläufe“ und „Arbeitszeit“, ist den meisten Aspekten weitgehend oder voll zugestimmt worden beziehungsweise eine Verbesserung im Vergleich zur vorherigen Tätigkeit festgestellt worden. Die als besonders wichtig eingestuften Aspekte schneiden bei der Bewertung und dem Vergleich durch die Ärzte am besten ab. Dies spiegelt sich auch in dem Ergebnis des Aspekts „MVZ führen zu einer Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung“ wider. Demnach sehen 92 Prozent der Befragten in der Implementierung von MVZ eine Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung.
Motivation für eine Tätigkeit im MVZ
Im Rahmen einer motivationsbezogenen Betrachtung gaben die Ärzte an, welche Gründe für die Aufnahme einer Tätigkeit im MVZ ausschlaggebend waren. Wichtigster Grund ist dabei die „Vereinbarkeit von Familie beziehungsweise Freizeit und Beruf“, weil innerhalb einer ärztlichen Gemeinschaft eher die Möglichkeit zu einer individuellen, flexibleren Arbeitszeitgestaltung besteht. Ebenso sind die Entlastung von Bürokratie und die Vermeidung des finanziellen Risikos der Freiberuflichkeit von den befragten Ärzten Gründe für einen Wechsel in ein MVZ.
Die Ergebnisse der Ärztebefragung zeigen, dass MVZ vielversprechende Tendenzen zu einer Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung aufweisen. Bei nahezu allen zu bewertenden Aspekten lässt sich die Tendenz in Richtung einer Verbesserung der Dienstleistungsqualität durch MVZ ablesen. Dr. Hendrik Schulte, Dr. Carsten Schulz
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