ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2007Referiert: Ausbildung und Kinder - Leben unter dem Existenzminimum

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Referiert: Ausbildung und Kinder - Leben unter dem Existenzminimum

PP 6, Ausgabe Juli 2007, Seite 302

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LNSLNS Um den Beruf eines Psychologischen Psychotherapeuten oder eines Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auszuüben, muss nach Abschluss des Erststudiums eine weitere kostenintensive Ausbildung angeschlossen werden. Während dieser Phase verdienen Psychologische Psychotherapeuten in Ausbildung (PPiAler) in der Regel nur wenig Geld. Zur Existenzsicherung werden Ersparnisse angegriffen und kleinere Einkommen durch ausbildungsfremde Tätigkeiten erzielt. Oft schießen Eltern und Partner etwas zu. Gelegentlich helfen auch Stipendien und Darlehen über die Ausbildungsphase hinweg. Mit Kindern spitzt sich die einkommensschwache Situation von PPiAlern zusätzlich zu.
Zu diesem Ergebnis kommt der Psychologe Heiko Hölzel von der Universität Trier. Er führte zwischen Dezember 2005 und April 2006 eine Onlineumfrage zur finanziellen Situation von PPiAlern durch. An der Studie nahmen 388 angehende Psychologische Psychotherapeuten und 57 angehende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten teil, darunter 79 Prozent Frauen. 69 Prozent der Teilnehmer waren im Alter zwischen 26 und 35 Jahren. 25 Prozent der PPiAler hatte eigene Kinder unter 15 Jahren. 13 Prozent waren neben der Ausbildung allein für die Betreuung der Kinder zuständig, 35 Prozent waren hauptsächlich zuständig, wurden aber von Familienmitgliedern unterstützt. 21 Prozent konnten die Betreuung durch Familienangehörige und 30 Prozent durch Dritte (zum Beispiel Kindergarten, Ganztagsschule) organisieren.
Im Hinblick auf die Finanzierungsmöglichkeiten fand Hölzel deutliche Unterschiede zwischen PPiAlern mit und ohne Kinder. So gab es beispielsweise keinen PPiAler mit Kind, der ein Stipendium erhielt. Es zeigte sich zudem, dass von den PPiAlern mit Kind insgesamt 70 Prozent für ihre praktischen Tätigkeiten an psychiatrischen klinischen Einrichtungen kein Gehalt erhielten, während von den kinderlosen PPiAlern nur knapp 50 Prozent ohne Bezüge arbeiteten.
Hölzel macht darauf aufmerksam, dass gerade diejenigen PPiAler, die neben den Kosten für die psychotherapeutische Ausbildung auch noch eine Familie zu versorgen haben, durch Staat und Ausbildungseinrichtungen finanziell schlechter ausgestattet werden als alleinstehende PPiAler. „Es stellt eine unzumutbare Situation dar, dass momentan größtenteils Partner und Eltern die Finanzierung der Ausbildung von PPiAlern mit Kindern übernehmen müssen, da trotz eigener Arbeit im Rahmen der Ausbildung von den PPiAlern selbst kein Einkommen erwirtschaftet werden kann“, meint Hölzel. ms

Kontakt:
Dr. Heiko H. Hölzel, Forsthaus Failz, 54516 Wittlich,
E-Mail: heikohoelzel@web.de
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1.
Busche W, Mösko,M, Kliche T, Zander K, Koch U: Die „Praktische Tätigkeit“ in der psychotherapeutischen Ausbildung. Report Psychologie 2006; 9: 390–401.
2.
Hölzel H: Elternschaft und Psychotherapieausbildung. PiA zwischen Ausbildung und Familie. Universität Trier 2006.
3.
Hölzel H: Zur finanziellen Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung: Ergebnisse einer internetgestützten Fragebogenstudie. Psychotherapeutenjournal 2006; 3: 232–7. (www.psychotherapeutenjournal.de/archiv.html)
1. Busche W, Mösko,M, Kliche T, Zander K, Koch U: Die „Praktische Tätigkeit“ in der psychotherapeutischen Ausbildung. Report Psychologie 2006; 9: 390–401.
2. Hölzel H: Elternschaft und Psychotherapieausbildung. PiA zwischen Ausbildung und Familie. Universität Trier 2006.
3. Hölzel H: Zur finanziellen Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung: Ergebnisse einer internetgestützten Fragebogenstudie. Psychotherapeutenjournal 2006; 3: 232–7. (www.psychotherapeutenjournal.de/archiv.html)

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