ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2007Honorar: Auf Treibsand gebaut
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LNSLNS Mit der Aussicht, den Honorardeckel endlich ein wenig anheben zu können, hat der KBV-Vorsitzende allen vollmundig proklamierten Widerstand aufgegeben. Offensichtlich hofft er auf eine allerdings wenig realistische „Einsicht“ der Krankenkassen – so zumindest lehrt uns die Vergangenheit vielfältiger Verhandlungen im Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses. Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber es versäumt hat – oder wissentlich unterlassen hat –, den Kostenträgern eine Pflicht zum Vertragsabschluss mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aufzugeben. Da wird im Gesetz vollmundig von „angemessener Vergütung“ der niedergelassenen Ärzte gesprochen und dass die Krankenkassen ab 2009 die Morbidität zu übernehmen hätten . . . Zu dieser Thematik hat Herr Dr. Ulrich Orlowski, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Bonn klar ausgeführt: „ . . . Wir (das BMG) sind nicht zuständig für die Beseitigung der chronischen Unterfinanzierung der Vergütung der Arbeit niedergelassener Ärzte.“ Auf entsprechende Nachfragen stellte er ergänzend fest, dass es nicht die Aufgabe des BMG sein könne, für eine angemessene Vergütung der Ärzte zu sorgen – das sei ureigenste Aufgabe der Selbstverwaltung. Hierbei hat Herr Orlowski offensichtlich übersehen, oder auch vergessen, dass wir niedergelassenen Ärzte seit Jahren auf eine „angemessene“ Vergütung unserer Arbeit hoffen. Zur Erinnerung: Im Vorfeld der Neukonzeption des neuen EBM 2000plus hatten sich die Spitzenverbände der Krankenkassen und die KBV auf gemeinsame Kriterien für die betriebswirtschaftliche Kalkulation des neuen EBM 2000plus geeinigt. Als die Analysen und Ergebnisse dieser Kalkulation einen Punktwert von 5,11 Cent ergaben – basierend auf einem Oberarztgehalt nach BAT I a – wollten die Krankenkassen plötzlich nichts mehr von den vorher getroffenen gemeinsamen Vereinbarungen wissen. Die Folge war eine Anpassung der Leistungen bzw. der Bewertungen an die zur Verfügung stehende Geldmenge. Das Resultat: Punktwerte von 2,3 Cent für ambulante Operateure in Niedersachsen und von 5,4 Cent für Psychotherapeuten in Baden-Württemberg (Letzteres ein Beweis der exzellenten Hausarztvergütungen in BaWü). Frage: Ist das noch angemessen? Aufgrund dieser Entwicklungen habe ich große Sorgen um die Qualität der ärztlichen Versorgung in Deutschland, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Die chronische Unterfinanzierung in beiden Bereichen wird perpetuiert, und es wird ab 2009 die Morbidität dann den Geldmengen angepasst – bzw. werden die Punktwerte weiter abgesenkt (so befürchte ich). Auf der anderen Seite hat die KBV offensichtlich vergessen, dass eine „angemessene Vergütung“ der Mitglieder eine Vergütung der Leistungen mit 5,11 Cent beinhaltet. Hier fehlen mir klare Konzepte und Strategien der KBV, um 2008/2009 entsprechend gegen die auf ihren Geldsäcken sitzenden Krankenkassen vorzugehen. Deren vornehmste Pflicht wäre es, sich um eine gute Versorgung ihrer Mitglieder zu kümmern und nicht um immer noch mehr grün-gelben Wettbewerb, um gesunde junge Bürger zu plakatieren. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: „aus der Bedrohung zu behandeln“. Noch haben die KBV und ihre Verantwortlichen Zeit umzudenken . . .
Dr. med. Michael P. Jaumann, HNO-Arzt,
Kommissarischer Vorsitzender des
Beratenden Fachausschusses der Fachärzte,
Kassenärztliche Bundesvereinigung,
Marktstraße 16, 73033 Göppingen
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