ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2007Praxisabgaben: Bewertung nach Qualität
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LNSLNS Ich war mehr als erstaunt über die Reaktionen auf den Leserbriefseiten.
So rechnet Dr. Steffen Theilemann akribisch vor, was seiner Meinung nach ein Praxissitz wert sei. Dabei gemahnt er eher an einen Buchhalter denn an einen seriösen Vertreter unserer Profession.
Dass das deutsche Gesundheitswesen derzeit wenig funktional organisiert ist (und sich in naher Zukunft in dieser Disziplin weiter zu perfektionieren gedenkt) ist hinlänglich bekannt. Die bürokratischen Monster der jeweiligen Bundesregierungen legen letztlich tatsächlich die Haltung des erwähnten Anlageberaters nahe: die Aufmerksamkeit von medizinisch gebotener Therapie auf Abrechnungs- und Zugewinnmodalitäten zu verschieben. Genau dagegen aber scheint sich unsere Kollegin zur Wehr setzen zu wollen.
Um es in wenigen klaren Worten zu sagen: Es ist nirgends auf diesem Planeten bislang gelungen, ein ökonomisch sinnvolles System per Regierungsdekret zu installieren. Die Absurditäten der ostzonalen Wirtschaftspolitik sollten wenigstens in Ansätzen bekannt und hinlänglich Mahnung sein. Nein, ebenso wenig wie eine übergeordnete Behörde je auf die Idee käme, die Anzahl der – sagen wir – Autowerkstätten oder Handyshops pro Stadtviertel limitieren zu wollen, ebenso wenig macht es Sinn, die Arzt- oder Therapeutendichte reglementieren zu wollen. Lasst hundert Ärzte in einer Straße zu, und der beste wird sich durchsetzen. Achtundneunzig werden Bankrott machen – und das ist auch gut so. Hinter der Idee des Praxissitzes steckt der Gedanke, dass es der medizinischen Zunft nicht zuzumuten sei, nach Qualität und Nachfrage ihrer Leistungen bewertet zu werden. Dass die heilenden Berufe sich im Wirtschaftsleben ebenso zu bewähren haben wie jeder andere. Gänzlich abwegig ist also die Grundannahme unseres Rechenkünstlers, er habe überhaupt etwas zu verkaufen. Mit Ausnahme gebrauchter Möbel.
Dipl.-Psych. Michaela M. Müller, Adlzreiterstraße 12, 80337 München
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