ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2007Psychotherapie der chronischen Depression

BÜCHER

Psychotherapie der chronischen Depression

PP 6, Ausgabe Juli 2007, Seite 317

McCullough, James P.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Chronische Depressionen
Veränderung der Denkmuster
Die chronischen Depressionen sind wegen der Behandlungsresistenz ein großes medizinisches Problem. Daher empfiehlt der Autor seine Methode, „weil es aus meiner Sicht gegenwärtig kein Therapieverfahren für die spezifischen Probleme chronisch-depressiver Patienten gibt“. Hierzu muss man wissen, dass es sich bei diesem Buch um eine Übersetzung aus den USA handelt, wo die psychotherapeutische Versorgung insgesamt wenig günstig ist. Die überwiegend alleinige Versorgung mit Psychopharmaka fördert natürlich die Chronifizierung, weil die persönlichkeitsspezifischen pathogenetischen Faktoren nicht behandelt werden. McCullough stellt daher ein Modell der psychischen Pathogenese der Depression vor und entwickelt daraus eine Gesprächstechnik, welche spezifisch die depressiven Denkmuster verändern soll.
Einen Großteil des Buches nimmt die Schilderung der praktischen Anwendung ein. Damit wird die Methode für den Leser gut nachvollziehbar. Inhaltlich wirken die Gesprächsbeispiele allerdings sehr elaboriert und bedürfen in der Umsetzung der Adaptation an die klinische Realität der zu behandelnden Patienten. Der Psychotherapeut soll sich kontrolliert-persönlich in die therapeutische Beziehung einbringen (zum Beispiel: Dr. Smith: „Fantastisch. Ich bin begeistert, das zu hören.“). Er soll sich also mit seiner Person als Verstärker gemäß dem verhaltenstherapeutischen Grundkonzept einbringen. Der methodische Ansatz wirkt sehr direktiv und pädagogisch (dem Patienten wird etwas beigebracht). Ob diese Behandlungstechnik nun die vom Autor versprochenen Ergebnisse bei chronisch Depressiven bringt, wird sich erst in umfangreichen Studien zeigen.
Theoretisch bezieht sich der Autor überwiegend auf die Verhaltenstherapie und auf die Therapie der kognitiven Entwicklung nach Piaget. Aber auch psychoanalytische Vorstellungen finden einen fast heimlichen Eingang (zum Beispiel der Begriff der Übertragung). In aller Kürze: Nach seiner Auffassung führen traumatisierende Bedingungen in der Entwicklung zu einer Persistenz präoperativer Denkvorgänge, welche dann bei späteren auslösenden Bedingungen die depressiven Affekte bedingen. Hermann J. Joosten

James P. McCullough Jr.: Psychotherapie der chronischen Depression. Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy – CBASP. Urban & Fischer Verlag, München, 2006, 344 Seiten, gebunden, 59,95 Euro
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema