ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2007Ambulante Therapie von Ess-Störungen

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Ambulante Therapie von Ess-Störungen

PP 6, Ausgabe Juli 2007, Seite 317

Feistner, Renate

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Essstörungen
Blickwinkel von zwei Seiten
Das ambulante Setting in der Behandlung von Essstörungen – vor allem von Anorexie und Bulimie – setzt oftmals ganz andere Schwerpunkte als der stationäre Kontext. Ambulant stehen Themen wie „seelische Nahrung“, Selbstkonzept und Selbstwertgefühl, Selbstachtsamkeit auch in Bezug auf eigene Grenzen sowie der Entwicklungsgedanke in einem länger andauernden und weiter reichenden therapeutischen Fokus. Hierzu setzt der facettenreiche Band seinen eindeutigen Schwerpunkt: Konzepte aus der und für die ambulante Praxis. Dabei werden die Themen aus den beiden entscheidenden Perspektiven einer Therapie aufbereitet: Neben dem Therapeutischen gibt es eine Reihe von anschaulichen und hilfreichen Beiträgen aus dem Blickwinkel von Betroffenen. Diese Zweiseitigkeit macht neben dem Fokus auf das ambulante Setting den besonderen Wert dieses Bands aus.
Zum Inhalt: Neben einem allgemeinen Überblick, in dem auch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse Berücksichtigung finden, wird in einem weiteren Schwerpunkt ausführlich der Zusammenhang zwischen Essstörungen und sexuellem Missbrauch im Kindesalter beleuchtet. Zunächst werden in einem Überblick Forschungs- und Praxisbefunde in ihrer Bedeutung für die Behandlung von Essstörungen allgemein bewertet. Eine Spezifizierung erfolgt durch konkrete Schilderungen aus der Perspektive von Therapeuten und Betroffenen. Ein weiterer Schwerpunkt behandelt den Zusammenhang zwischen Essstörungen und Diabetes mit besonderer Bedeutung für die Bulimie. Untersuchungen unter anderem aus Diplomarbeiten werden verknüpft mit praxisrelevanten Konzepten und Erfahrungen. Körperselbstbild, Selbstwertgefühl und Identität sind die Themen des dritten Schwerpunkts, der neben vielem anderen ein interessantes Modell der Identitätsregulation konzipiert. Hier werden zentrale Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung in Bezug auf die Störungsgenese wie auch im Hinblick auf ihre Therapierelevanz aufbereitet: Essstörung als kompensatorisch wirkender Versuch einer fehlgeleiteten Selbstwirksamkeit. Ein anderes Kapitel setzt sich mit der Nähe zur Borderlinethematik auseinander. Auch hier werden vielfältige integrative, nicht schulengebundene Aspekte aufgezeigt, die beim Leser – je nach eigenem therapeutischen Entwicklungsstand – Bestätigung, Neugier und Interesse hervorrufen.
Fazit: Eine Fülle von Anregungen aus und für die Praxis mit einem spezifischen Themenspektrum.
Joachim Hackler

Renate Feistner (Hrsg.): Ambulante Therapie von Ess-Störungen. Therapeutinnen und Betroffene berichten über neue Behandlungsmethoden. Neuland-Verlagsgesellschaft mbH, Geesthacht, 2006, 256 Seiten, kartoniert, 29,90 Euro
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