ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2007Wie Tumorzellen ihre Form ändern

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Wie Tumorzellen ihre Form ändern

Dtsch Arztebl 2007; 104(30): A-2086 / B-1842 / C-1778

EB

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LNSLNS Runde Tumorzellen sind besonders beweglich und aggressiv. Um in gesundes Körpergewebe einzudringen und Metastasen zu streuen, wechseln Krebszellen häufig in eine Kugelform. Wissenschaftler des Pharmakologischen Instituts der Universität Heidelberg haben einen Mechanismus entschlüsselt, der Krebszellen rund und extrem beweglich werden lässt: Das Protein „Diaphanous1“ (Dia1) steuert die Bildung bestimmter Strukturen des Zellskeletts und damit dessen Form. Dadurch ist die Krebszelle in der Lage, eine dynamische, runde Gestalt anzunehmen. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in „Genes & Development“ veröffentlicht (2007; 21: 1478–83).
Tumorzellen sind außerordentlich beweglich und „geschickt“, wenn es darum geht, in gesundes Gewebe einzudringen und Metastasen zu bilden: Sie passen sich der jeweiligen Beschaffenheit des Gewebes an, indem sie ihre Form ständig verändern. Ähnlich wie Embryonalzellen können Krebszellen gewissermaßen einen Schalter umlegen, um von einer Zellgestalt in die andere zu wechseln.
Aktinfilamente des Zellskeletts
Diese Fähigkeit verdanken sie einem besonders geschmeidigen Zellskelett, das sich mit dem Muskel- und Skelettapparat des Menschen vergleichen lässt. Entscheidende Bauelemente sind die Aktinfilamente, die sich verlängern und verkürzen können und dadurch die Zellform und -beweglichkeit beeinflussen.
Die Heidelberger Forscher entdeckten, dass „Dia1“ durch einen Mechanismus, der sich selbstständig verstärkt, die Aktin-Bauelemente des Zellskeletts koordiniert, und zwar dann, wenn das Zellskelett sich zusammenzieht: Die Voraussetzungen für die Kugelform der Tumorzelle sind geschaffen. „In der Entwicklung spezieller Medikamente, die in der Lage sind, die Aktivität der Proteine aus der Diaphanous-Molekülgruppe gezielt zu hemmen und eindringende Krebszellen wirksam zu bekämpfen, könnte die Zukunft liegen“, skizziert Dr. med. Robert Grosse eine Perspektive für die Tumortherapie.
In ihrer Arbeit untersuchten die Wissenschaftler Zellen des malignen Melanoms, das sehr früh Metastasen streut. „Die Erkenntnisse scheinen jedoch auch für viele andere Krebsformen aussagefähig zu sein“, so Grosse, der am Pharmakologischen Institut eine Emmy-Noether-Nachwuchsforschergruppe leitet. EB
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