ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2007Das Konzept des Lebenslangen Lernens: Am Ball bleiben

BERUF

Das Konzept des Lebenslangen Lernens: Am Ball bleiben

Dtsch Arztebl 2007; 104(30): [187]

Lange, Alfred

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LNSLNS Auch von Klinikärzten wird erwartet, dass sie sich den ständig wechselnden Arbeitsbedingungen anpassen.

Kaum ein Arbeitnehmer gibt sich heute noch der Illusion hin, er würde mit den einmal erworbenen Fähigkeiten auf ein und demselben Arbeitsplatz das gesamte Arbeitsleben verbringen können. Dies gilt auch für Ärztinnen und Ärzte. Ein Arzt steht vor der Herausforderung, sich den ständig wechselnden Arbeitsbedingungen anzupassen. Wer dies akzeptiert und seine Prioritäten auf die Entwicklung der beruflichen Perspektive legt, sollte sich mit dem Konzept des lebenslangen Lernens beschäftigen.
Dass wir in einer „Long Life Learning Society“ leben, ist kein neuer Gedanke. Die Diskussionen um notwendige Schlüsselkompetenzen oder die Frage, ob man sich zum Generalisten oder zum Spezialisten entwickeln soll – all dies ist der Tatsache geschuldet, dass das „lebenslängliche“ Lernen längst Lebensnotwendigkeit ist. Neue Nahrung erhält die Diskussion durch ein Modewort: „Employability“ – „Beschäftigungsfähigkeit“. So wird auch vom Arzt verlangt, dass er durch persönliches Engagement seine „Beschäftigungsfähigkeit“ langfristig sichert.
Eine neue Kultur der
Eigenverantwortung
Neu ist, dass vom Klinikarzt und angestellten Facharzt erwartet wird, seine mentalen, persönlichen und beruflichen Kompetenzen eigeninitiativ und aktiv weiterzuentwickeln. Er soll zu seinem eigenen Karriereplaner werden. Wer darauf hofft, man komme auf ihn mit der Aufforderung oder gar Bitte zu: „Sehen Sie mal zu, dass Sie Ihre Kompetenzen in die und die Richtung erweitern“, wartet oft vergebens. „Employability“ setzt auf-seiten des Arztes eine Kultur der Eigenverantwortung voraus. Der Arzt ist aufgefordert zu prüfen, ob er bereit und fähig ist, sich zum Manager der eigenen Arbeitskraft und des eigenen Kompetenzpotenzials zu machen.
Wie kann der Arzt seine „Beschäftigungsfähigkeit“ sichern? Zunächst einmal sollte er regelmäßig hinterfragen, welche Kompetenzen von ihm erwartet werden und über welche Fähigkeiten er verfügt oder nicht verfügt. Daran schließt sich die Therapie an: die Suche nach den geeigneten Weiterqualifikationen. Dies allein durch Selbstreflexion zu erreichen, ist schwierig. Bereits bei der Analyse und Diagnose sollte der Arzt Hilfe hinzuziehen, etwa von Kollegen oder externen Beratern. Nahe liegend ist auch, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen: Der Arzt fordert aktiv dazu auf, mit ihm regelmäßig Beurteilungs- und Qualifikationsgespräche zu führen:
- Im Beurteilungsgespräch erhält er eine Leistungsbeurteilung, die es ihm erlaubt, Rückschlüsse auf Schwächen und Stärken zu ziehen.
- Im Qualifikationsgespräch bespricht er mit dem Vorgesetzten oder Personalchef, welche Qualifikationen ihm fehlen. Gemeinsam analysieren sie den Istzustand der Kompetenzen des Arztes und definieren den Sollzustand, der durch Fördermaßnahmen erreicht werden kann.
Bei der Diskussion geht es nicht um die Fachkompetenz. Denn dass sich ein Arzt in seinem medizinischen Fachgebiet auf dem Laufenden hält, ist eine Selbstverständlichkeit. Zu der Beschäftigungsfähigkeit zählen eher die sozialen und kommunikativen Kompetenzen, jene „überfachlichen“ Qualifikationen, die meist recht unspezifisch sind. Denn was genau heißt Eigenverantwortung, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit, Konfliktfähigkeit und Veränderungsbereitschaft? Lernbereitschaft zum Beispiel bringt wohl jeder mit sich – nur eben in ganz unterschiedlichem Ausprägungsgrad. Die Kompetenzen bedürfen mithin der Konkretisierung.
Gerade das Qualifikationsgespräch bietet Gelegenheit, zu einer gemeinsamen Definition zu kommen. Was versteht der Arzt unter Stressresistenz, was wird diesbezüglich vonseiten des Krankenhauses von ihm erwartet? Angenehmer Nebeneffekt: Indem der Arzt diese Gespräche aktiv einfordert und seine Schwächen abfragt, erhält er nicht nur Hinweise, wie er seine Beschäftigungsfähigkeit aufrechterhält, sondern belegt zugleich, dass er für seinen Berufsweg Verantwortung übernimmt.
Eine Frage der Einstellung
Beschäftigungsfähigkeit ist eine Frage der Einstellung: Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und zur stetigen Weiterentwicklung muss der Arzt mitbringen oder sich erarbeiten. Heißt Employability zudem Anpassung an Erwartungen von außen um jeden Preis – an die Erwartungen des Arbeitsmarktes, des Krankenhauses, des Arbeitgebers? Nein. Zu empfehlen ist vielmehr der goldene Mittelweg: Der Arzt entwickelt sich seinen Zielsetzungen und Interessen gemäß weiter und hat dabei die aktuellen Entwicklungen in seinem Bereich und auf dem Arbeitsmarkt im Blick. Dazu ein Beispiel: Krankenhäuser und Praxen entwickeln verstärkt Qualitätsmanagementsysteme und bereiten sich auf Zertifizierungen vor. Ein Facharzt, der aufgrund seiner stetigen Analysen, welche Kompetenzen künftig wichtig sind, diese Entwicklung vorausgesehen hat, hat sich über Seminare, Eigenstudium oder andere Fortbildungsmöglichkeiten Wissen und Kompetenzen zum Thema Qualitätsmanagementsysteme erworben. Er weiß, was ein Audit ist und wie eine Zertifizierung abläuft, er kann für das Krankenhaus den Zertifizierungsprozess vorbereiten und den QM-Prozess begleiten oder gar leiten. Gegenüber Kollegen und Mitarbeitern hat der Arzt den Vorteil, sich rechtzeitig eine Kompetenz angeeignet zu haben, die hier und heute gefragt ist. Er ist beschäftigungsfähig.
Alfred Lange, Praxiscoach
E-Mail: a.lange@medicen.de
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