ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Palliativtraining: Auch Sterbebegleitung kann gelernt werden

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Palliativtraining: Auch Sterbebegleitung kann gelernt werden

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2168 / B-1918 / C-1854

Fittkau-Tönnesmann, Bernadette

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Palliativ-Akademien führen gemeinsam mit universitären Zentren den ersten deutschen „Train the Trainer“-Kurs für die studentische Lehre durch.

Palliativmedizin braucht die Lehre und Forschung, um sich noch besser in der deutschen Gesundheitslandschaft zu platzieren. Nachdem sich das Fachgebiet im klinischen Alltag etabliert hat, hält es nun Einzug in den universitären Bereich. Hier gibt die Deutsche Krebshilfe wichtige Impulse – beispielsweise durch ein Schwerpunkt-förderprogramm, aber auch durch die Förderung eines Verbunds der vier palliativmedizinischen Akademien in Köln, Bonn, München und Dresden. Diese haben nach US-amerikanischem Vorbild einen einzigartigen Weiterbildungskurs für Palliativmedizin aufgebaut. In diese Aktivitäten mit eingebunden sind alle deutschen Lehrstühle für Palliativmedizin (Köln, Aachen, Bonn, Göttingen und München).
Die derzeitige Situation der studentischen Ausbildung in Palliativmedizin bietet ein hoffnungsvolles Bild, ist aber weit entfernt von einem einheitlichen Standard: Zwei Drittel der medizinischen Fakultäten haben Palliativmedizin in ihr Lehrangebot aufgenommen. Das Spektrum reicht von Einzelvorlesungen im Rahmen anderer Fachgebiete oder Querschnittsbereichen bis hin zu Blockpraktika, vom Wahlfach bis zu Pflichtseminaren mit Prüfung an den Universitäten Aachen, Bonn und München.
Um der universitären Ausbildung in Palliativmedizin einen starken Impuls zu geben, entschloss sich der Verbund, Expertisen zu bündeln und gemeinsam mit Hochschullehrern aus dem Center for Palliative Care der Harvard Medical School in Deutschland einen ersten „Train the Trainer“-Kurs für 50 universitäre Dozentinnen und Dozenten anzubieten. Dieser Pilotkurs wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit und die Deutsche Krebshilfe gefördert.
Aus Sicht der Experten ist es vordringlich, Standards für die Vermittlung der Disziplin Palliativmedizin zu setzen und Verantwortung für den Kompetenzerwerb der Fachkräfte zu übernehmen. Den hohen Bedarf an einem solchen Training bestätigte die große Nachfrage am ersten Kurs im Sommer 2006 auf der Insel Frauenchiemsee.
Ein Folgekurs wird vom 8. bis 15. März 2008 stattfinden. 50 Dozentinnen und Dozenten aus 20 medizinischen Fakultäten beziehungsweise Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern erarbeiteten und erprobten gemeinsam mit dem 14-köpfigen, multidisziplinären Kursleiterteam acht Tage lang moderne Methoden der Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Haltung im Fach Palliativmedizin, um die erworbene Kompetenz künftig in die studentische Lehre einzubringen: interaktives Lernen im Kontext von Vorlesungen, problem- und fallbasiertes Lernen in Groß- und Kleingruppen, Einsatz von „Standardisierten Patienten“, Variationsmöglichkeiten von Rollenspielen, Anleitung von Reflexionsprozessen, Einsatz von Feedback, Voraussetzungen für die Prüfbarkeit durch Lehr- und Lernziele sowie der angemessene Einsatz unterschiedlicher Medien. Das Training basiert auf einem an der Harvard University entwickelten Kursprogramm. Ebenso wie das „Harvard-Program in Palliative Care Practice and Education“, dessen Nachhaltigkeit durch Untersuchungen erwiesen ist, wurde auch der modifizierte Pilotkurs „German Program in Palliative Care Education“ in seinem Verlauf durch edukationswissenschaftliche Erhebungen begleitet.
Inhaltliche Themen waren Grundlagen der Palliativmedizin: Symptomkontrolle, psychosoziale und spirituelle Begleitung, Trauerbegleitung, ethische und kulturelle Fragen und Unterschiede palliativmedizinischer Betreuung von der Pädiatrie bis zur Geriatrie sowie die Ausgestaltung der Arzt-Patienten-Beziehung bei unheilbaren Erkrankungen beziehungsweise am Lebensende.
Dies wurde verbunden mit der Bearbeitung der Besonderheiten palliativmedizinischer Lehre, der Auswirkung von Lern- und Lehrstilen auf die Ausgestaltung des Unterrichts und der verantwortliche Umgang mit der persönlichen Betroffenheit der Studierenden. Das Themenspektrum umfasste weiter die Auseinandersetzung mit Lernmodellen, Gruppendynamik und Kommunikationstrainings durch unterschiedlich gestaltete Rollenspiele. Exemplarisch wurden miteinander Unterrichtseinheiten mit Lehr- und Lernzielen, Methodik und Medien entwickelt sowie die mit einer Implementierung verbundenen Probleme diskutiert. Der Kurskatalog, der allen Teilnehmern ausgehändigt wurde, bietet eine detaillierte Zusammenfassung und Dokumentation aller Aspekte, gestützt durch eine umfangreiche Literatursammlung.
Bernadette Fittkau-Tönnesmann


Weitere Informationen und
Anmeldung zum Folgekurs 2008
unter www.palliativ-training.de
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