ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/20073 Fragen an… Prof. Dr. med. Hugo Van Aken, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

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3 Fragen an… Prof. Dr. med. Hugo Van Aken, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2170 / B-1919 / C-1855

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Die Charité plant, ihre Intensivstationen fachübergreifend zu größeren Einheiten zusammenzulegen. Ist das sinnvoll?
Van Aken: Ja, Intensivstationen sollten eine gewisse Größe haben. Die kleinste optimale Einheit sind zwölf Betten, für die dann ein Arzt verantwortlich ist. 60 oder 84 Betten sind sicher zu viel, da fehlt die Übersichtlichkeit. Aber zwölf mal vier, also 48 Betten unter einer Leitung, das ist möglich. Für Universitätskliniken und Krankenhäuser der Maximalversorgung ist deshalb eine Trennung von operativer und konservativer Intensivstation sinnvoll. Es macht aber keinen Sinn, dass jedes chirurgische Fach eine einzige Intensivstation verantwortet.

Wäre es sinnvoll, eigens Ärzte für Intensivmedizin auszubilden?
Van Aken: Das löst bestehende Probleme auch nicht, im Gegenteil. Ärzte auf einer Intensivstation stehen unter wahnsinniger Anspannung. Deshalb muss es möglich sein, dass sie nach einer gewissen Zeit wieder in ihr Mutterfach rotieren und da andere Aufgaben übernehmen. Ähnliches gilt für Pflegekräfte. Man sieht viel Leid auf Intensivstationen, zehn bis 15 Prozent der Patienten sterben. Das kann schon zu einer gewissen Abstumpfung führen. Rotation muss deshalb sein.

Der Ärztliche Direktor der Charité hat gesagt: „Ich wüsste nicht, was passieren würde, wenn die Kommission die ein oder andere Uniklinik besuchen würde.“ Sind mangelhafte Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegenden oder Abwesenheitslücken von Ärzten auf Intensivstationen also gar nicht so selten?
Van Aken: Ich glaube, dass sich derzeit viel ändert. Früher kam es mit Sicherheit vor, dass beispielsweise nachts auf einer Intensivstation kein Arzt war und im Prinzip Pflegekräfte die Station geleitet haben, wenn der Arzt in den OP oder in die Poliklinik zu anderen Notfällen gerufen wurde. Auch tagsüber kam er manchmal nur ab und zu vorbei und war viel im OP. Doch mittlerweile sieht der geänderte Katalog für DRG-Erlöse seit Anfang des Jahres eine ständige ärztliche Präsenz auf Intensivstationen vor. Das Krankenhaus muss dafür sorgen, dass ein Arzt präsent ist – sonst verliert es Geld.

Die Fachgesellschaft hat mehrere Stellungnahmen zum Thema veröffentlicht. Weitere Infos unter: www.dgai.de
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