ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Berufsverband deutscher Internisten (BDI): Hoffen auf den Euro-EBM

POLITIK

Berufsverband deutscher Internisten (BDI): Hoffen auf den Euro-EBM

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2171 / B-1920 / C-1856

Flintrop, Jens

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LNSLNS Beim BDI überwiegt der Optimismus: Die neue Gebührenordnung werde pünktlich fertig und und verspreche langfristig Verbesserungen für die Vertragsärzte.

Natürlich gibt sich auch Dr. med. Wolfgang Wesiack nicht der Illusion hin, dass mit dem Start des Euro-EBM am 1. Januar 2009 automatisch mehr Geld ins System der ambulanten Versorgung fließt. Denn der zeitgleich in Kraft tretende Gesundheitsfonds behebe ja keineswegs die Einnahmedefizite der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, betonte der Präsident des Berufsverbands deutscher Internisten (BDI) am 19. Juli in Wiesbaden.
Trotz alledem rechnet Wesiack mit Verbesserungen: „Der entscheidende Vorteil des Euro-EBM mit seinen festen Preisen gegenüber dem heutigen System ist doch, dass dem Hamsterradeffekt endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Wenn der einzelne Arzt mehr Leistungen erbringt, geht dies nicht mehr zulasten aller.“ Zwar gleiche das Versprechen einer Vergütung in Euro und Cent unter einer Ausgabenobergrenze einem ungedeckten Scheck, aber anders als im jetzigen System werde ein objektiver Mehrbedarf an medizinischen Leistungen endlich auch abgebildet. Bei einer deutlichen Zunahme der Leistungsausweitung im ambulanten Bereich müssten sich die Politik und Kassen künftig die Frage stellen: Warum? Die Ärzte könnten dann belegen, dass die Morbidität zugenommen habe. Wesiack: „Die Umstellung auf den Euro-EBM könnte der entscheidende Schritt sein, um langfristig endlich mehr Geld ins System zu bekommen.“ Gefragt, wie viel Geld mehr es denn sein müsse, verweist man beim BDI auf die Zahlen des Fritz-Beske-Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel. Das wären dann 6,9 Milliarden Euro jährlich mehr für die ambulante Versorgung.
Die anstehende Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung erfordert ein geschlossenes Vorgehen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – ist doch der Zeitplan für die Einführung einer Euro-Gebührenordnung zum 1. Januar 2009 so eng gesteckt, dass die erforderlichen Teilschritte reibungslos abgearbeitet werden müssen. Vor diesem Hintergrund sieht das BDI-Präsidium (dem neben Wesiack Dr. med. Wolf von Römer und Prof. Dr. med. Malte Ludwig angehören) den aktuellen Wechsel im KBV-Vorstand als Chance, das sich Haus- und Fachärzte auf ein gemeinsames Konzept einigen. Wesiack: „Wir begrüßen die Wahl von Dr. Carl-Heinz Müller ausdrücklich, weil er wie Dr. Andreas Köhler mehr das Ganze im Auge hat und weniger reine Hausarztinteressen vertritt wie sein Vorgänger Ulrich Weigeldt.“
Forderung nach getrennten
Gebührentöpfen
Ein Problem bei der Umstellung auf die Euro-Gebührenordnung ist der Orientierungspunktwert als Basis für die regionalen Punktwertverhandlungen. Das Gesetz sieht die Bildung eines einheitlichen Orientierungspunktwerts vor, nach dem sowohl die haus- als auch die fachärztlichen Leistungen bemessen werden sollen. Allerdings werden die Gebührenordnungen für die beiden Versorgungsbereiche vom 1. Januar 2009 an so unterschiedlich strukturiert sein, dass es bei nur einem Orientierungspunktwert zu Benachteilungen entweder der Hausärzte oder der Fachärzte kommen muss. Wesiack: „Wir brauchen getrennte Gebührentöpfe.“ Nach BDI-Informationen ist aber wohl keine Verbesserung in Sicht. Die CDU blockiert offenbar eine Initiative, mit einer Gesetzesänderung Haus- und Fachärzten getrennte Orientierungspunktwerte zuzugestehen, wie es auch die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung gefordert hatte.
Jens Flintrop
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