ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Falsche Patientenanreize in der Ersten Hilfe der Krankenhäuser: Über- und Fehlversorgung vermeiden
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LNSLNS Hausärzte und Rettungsstellen behandeln dieselben Patienten – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Rettungsstellenpatienten mit Behandlungsbegehren unterhalb der Notfallschwelle nehmen das Gesundheitswesen insgesamt vermehrt in Anspruch. Ob diese Inanspruchnahmen durch „falsche Anreize“ hervorgerufen werden, können die Autoren mit ihrer Studie nicht belegen, identifizieren sie doch Patientenmotive – nicht institutionelle Anreize. Als ein institutioneller Anreiz ist in der Literatur belegt: Das unkontrollierte Überversorgungsangebot einer universitären Rettungsstelle. Diese potenzielle Überversorgung gilt es durch geeignetes Personal besser zu steuern, nicht neue parallele Versorgungsangebote zu machen (1).
Vergleicht man Allgemeinärzte als Mitglieder eines Rettungsstellenteams mit spezialistischen „Notärzten“, so untersuchen sie Patienten extensiver, nehmen weniger Krankenhausressourcen in Anspruch, nehmen weniger Patienten stationär auf, verweisen die Patienten häufiger zurück an niedergelassene Ärzte, haben deswegen nicht mehr Komplikationen und sind somit eindeutig kosteneffektiv (2).
Die Merkmale Ängstlichkeit und Depressivität korrelieren hochpositiv mit Rettungsstellenkontakten unterhalb der Notfallschwelle; für vorliegende andere Merkmale zum Beispiel chronische Erkrankungen konnte dagegen keine Korrelation mit dem Inanspruchnahmeverhalten nachgewiesen werden (1).
Die Autoren klassifizieren Patientenanliegen unterhalb der Notfallschwelle als aus „notärztlicher Betrachtung nicht gerechtfertigt“; hilfreicher und aussagekräftiger wäre es, in diesen Anliegen allgemeinmedizinische Beratungsursachen und solche der psychosomatischen Grundversorgung zu erkennen (3).
Für Versorgungsaufgaben unterhalb der Notfallschwelle sind Rettungsstellen in Deutschland in der Regel nicht ausreichend qualifiziert besetzt – es fehlen oftmals allgemeinärztliche Teammitglieder als Spezialisten für effiziente Primärversorgung. So entsteht vermeidbare Über- und Fehlversorgung zulasten des Krankenhauses, des Patienten und der Solidargemeinschaft.


Dr. med. Andreas Klement
Prof. Dr. med. Thomas Lichte
Prof. Dr. med. Markus Herrmann MPH. M.A.
Institut für Allgemeinmedizin
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06112 Halle/Saale
E-Mail: andreas.klement@medizin.uni-halle.de
1.
Martin A, Martin C, Martin PB, Martin PA et al.: „Inappropriate“ attendance at an accident and emergency department by adults registered in local general practices: how is it related to their use of primary care? J Health Serv Res Policy 2002; 7(3): 160–5. MEDLINE
2.
Murphy AW, Bury G, Plunkett PK, Gibney D et al.: Randomised controlled trial of general practitioner versus usual medical care in an urban accident and emergency department: process, outcome, and comparative cost. BMJ 1996; 312:1135–42. MEDLINE
3.
Dale J, Green J, Reid F, Glucksman E: Primary care in the accident and emergency department: I. Prospective identification of patients. BMJ 1995; 311: 423–6. MEDLINE
1. Martin A, Martin C, Martin PB, Martin PA et al.: „Inappropriate“ attendance at an accident and emergency department by adults registered in local general practices: how is it related to their use of primary care? J Health Serv Res Policy 2002; 7(3): 160–5. MEDLINE
2. Murphy AW, Bury G, Plunkett PK, Gibney D et al.: Randomised controlled trial of general practitioner versus usual medical care in an urban accident and emergency department: process, outcome, and comparative cost. BMJ 1996; 312:1135–42. MEDLINE
3. Dale J, Green J, Reid F, Glucksman E: Primary care in the accident and emergency department: I. Prospective identification of patients. BMJ 1995; 311: 423–6. MEDLINE

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