ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Falsche Patientenanreize in der Ersten Hilfe der Krankenhäuser: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Falsche Patientenanreize in der Ersten Hilfe der Krankenhäuser: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2210 / B-1957 / C-1891

Steffen, Wolfgang

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LNSLNS Die Vermeidung von Über- und Fehlversorgung ist ein grundsätzliches Thema im gesamten Gesundheitswesen, das dauerhaft diskutiert werden muss. Entscheidend sind dabei klar formulierte Aufgaben der einzelnen Institutionen. Hausärzte und Rettungsstellen sollten grundsätzlich die Patienten behandeln, für die sie konzipiert sind. Zu überprüfen bleibt aber, warum Patienten eben nicht die Hausarztpraxis sondern eine Rettungsstelle aufsuchen. Hier wollten wir für unsere Klinik erste Daten erheben, völlig unabhängig von der Frage, ob Rettungsstellen mit Allgemeinmedizinern sachgerechter zu besetzen sind.
Der Blick auf die konkreten Motivationen der Patienten ist daher unvermeidlich. Auch ist es sinnvoll weitere Aspekte, wie institutionelle Anreize, in die Betrachtung miteinzubeziehen, um die gesamte Problematik erörtern zu können, wobei insbesondere im Bereich der akuten Primärversorgung vorsichtig über eine Überversorgung diskutiert werden sollte.
Die Schaffung von Rettungsstellenteams, in denen spezialisierte „Notärzte“ gemeinsam mit den Allgemeinärzten zusammenarbeiten, ermöglicht ein gleichzeitiges Angebot von ambulanter sowie notärztlicher Versorgung. Dies funktioniert ähnlich wie das Modell einer Rettungsstelle mit einem angeschlossenen ambulanten Versorgungszentrum oder einer angeschlossenen ambulanten Notfallpraxis. Welche Lösung im Einzelnen die sinnvollste ist, muss im konkreten Fall, auch nach wirtschaftlichen Aspekten, entschieden werden.
Solche integrierte Angebote schaffen nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern unterstützen die Rettungsstellen auch bei den Versorgungsaufgaben unterhalb der Notfallschwelle, weil die Rettungsstellen adäquat mit einer ambulanten Versorgung reagieren und notärztliche Ressourcen schonen können. Praktische Beispiele wie am Unfallkrankenhaus Berlin oder am Marienhospital Stuttgart zeigten hier deutliche
Erfolge (1) und (2).
Wenn es gelingt Patienten konsequent einer – aus medizinischer sowie wirtschaftlicher Sicht – adäquaten Behandlung zuzuführen, könnte einer Über- und Fehlversorgung entgegengewirkt werden. Dies setzt allerdings eine leistungsstarke Patientensteuerung und die Schaffung entsprechender integrierter Versorgungsangebote voraus.


Dipl.-Wi.-Ing. Wolfgang Steffen
Arendsweg 15
13055 Berlin
E-Mail: WolSteffen@web.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Ekkernkamp A, Warmuth R: Krankenhäuser: Integrierte Versorgung – nur Utopie? Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A 90–2. VOLLTEXT
2.
Deutsche Krankenhausgesellschaft: Das Krankenhaus als Anbieter von Leistungen in der integrierten Versorgung nach § 140 a bis h SGB V – Materialiensammlung, 2. Auflage. Düsseldorf: Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH 2002.
1. Ekkernkamp A, Warmuth R: Krankenhäuser: Integrierte Versorgung – nur Utopie? Dtsch Arztebl 2002; 99(3): A 90–2. VOLLTEXT
2. Deutsche Krankenhausgesellschaft: Das Krankenhaus als Anbieter von Leistungen in der integrierten Versorgung nach § 140 a bis h SGB V – Materialiensammlung, 2. Auflage. Düsseldorf: Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH 2002.

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