ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Zukunftssicherung für die Arztpraxis: Flexibilität ist gefragt

KULTUR

Zukunftssicherung für die Arztpraxis: Flexibilität ist gefragt

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2217 / B-1964 / C-1896

Bandering, Michael

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LNSLNS Niedergelassene Ärzte müssen sich immer mehr auch mit betriebswirtschaftlichen Themen beschäftigen.

Der Arzt wird immer mehr zum Unternehmer – und das ohne entsprechende Vorbereitung während des Studiums. Unterstützung können Ärzte bei Steuerberatern finden, die sich auf die qualifizierte Ärzteberatung spezialisiert haben. Sie erledigen nicht nur die Steuererklärung oder die Finanzbuchführung, sondern bieten Ärzten auch eine branchenspezifische betriebswirtschaftliche Beratung an.
Bei der betriebswirtschaftlichen Beratung geht es um die Sicherung der Zukunft der Praxis. Anhand eines klaren betriebswirtschaftlichen Befunds kann der Steuerberater eine Diagnose mit wahrscheinlichem Heilungs- oder Krankheitsverlauf erstellen und entsprechende Maßnahmen vorschlagen. Grundlage für eine solche Analyse der Arztpraxis ist eine branchenspezifische Buchführung, die für die Erstellung von betriebswirtschaftlichen Auswertungen geeignet ist. Ist der Steuerberater der DATEV (Datenverarbeitung und Dienstleistung für den steuerberatenden Beruf eG) angeschlossen, lassen sich Kennzahlen aus der eigenen Praxis mit Branchenkennzahlen aus dem DATEV-Rechenzentrum, dem größten einschlägigen Datenpool in Deutschland, vergleichen. Ärzte können so zusammen mit ihrem Steuerberater feststellen, ob und in welchem Umfang ihre Praxis beispielsweise bei den Kostenblöcken für Personal, Praxis- beziehungsweise Laborbedarf und Raum oder bei den Einnahmen von Privatpatienten und dem Ergebnis von den Durchschnittswerten der Branche abweicht.
Ein solcher Vergleich zeigt, wo die Arztpraxis derzeit steht. Für den Einstieg in deren strategische Weiterentwicklung bieten Steuerberater Ärzten das „Praxis-Erfolgsmodell“ an, das von DATEV entwickelt wurde. Damit können einerseits aufbauend auf dem Istzustand die Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken, auch in Bezug auf bevorstehende Veränderungen im Gesundheitswesen, ermittelt werden. Andererseits lassen sich mögliche Weiterentwicklungen aufzeigen. Mit dem Steuerberater können Ärzte offen über ihre individuellen Ziele sprechen und gemeinsam mit ihm ermitteln, welche Hürden zu nehmen und welche Risiken einzudämmen sind. Mithilfe des Praxis-Erfolgsmodells werden dabei alle relevanten Bereiche abgedeckt – von der Umsatzentwicklung, der Rentabilität, dem Controlling über den Personalbereich und das Marketing bis hin zur Praxisstrategie, den Prozessabläufen, der Innovationsfähigkeit und der Vermögensberatung. Anknüpfend an die individuellen Ziele werden Wege aufgezeigt, wie die Arztpraxis ihre Stärken ausbauen kann. Ein Maßnahmenplan lässt sich als Richtschnur für ihre Weiterentwicklung einsetzen.
Wer den wirtschaftlichen Erfolg seiner Praxis nachhaltig sicherstellen will, muss flexibel auf Veränderungen reagieren können. Hier bietet es sich an, ein Qualitätsmanagement in der Praxis einzuführen, wie es ab 2010 für Vertragsärzte ohnehin Pflicht wird. Mit einem Qualitätsmanagementsystem können die internen Abläufe einer Praxis ohne großen Aufwand überprüft und angepasst werden. Auch hier ist der Steuerberater primärer Partner. Ist er DATEV-Mitglied, hat er die Möglichkeit, dem Arzt den Einsatz von DATEV-ProCheck für Unternehmen zu empfehlen. Diese Software unterstützt mit einem Prozessmodell für Ärzte den Aufbau eines Qualitätsmanagements. Kern des Systems ist ein elektronisches Organisationshandbuch, mit dem sich Ablauf- und Prozessbeschreibungen darstellen lassen. Außerdem verfügt es über ein Dokumentationstool mit patientenbezogenen Checklisten. ProCheck gibt eine systematische Qualitätssicherung vor, kann aber im Rahmen des Gestaltungsspielraums an individuelle Anforderungen angepasst werden. Die Software hilft Ärzten und Mitarbeitern, in der Praxis den wachsenden Qualitätsansprüchen und Dokumentationspflichten nachzukommen. Das Praxiswissen wird gespeichert, sodass im Fall von Vertretungen oder Mitarbeiterwechseln ein schneller Einstieg möglich ist.
Die DATEV stellt ihren Mitgliedern nicht nur Instrumente für den Einsatz in der Arztpraxis zur Verfügung, sondern unterstützt auch das Branchen-Know-how der Steuerberater. Auf Fachtagungen werden die Entwicklungen im Gesundheitswesen und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Ärzte diskutiert. Über die internetbasierte Wissens- und Arbeitsplattform DATEV-Branchenberatung Ärzte können sich Steuerberater zudem über die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf dem Laufenden halten. Außerdem haben die Steuerberater die Möglichkeit, mit Berufskollegen Fachfragen zu diskutieren. Über diesen „eRoom“ stellt DATEV den Steuerberatern zudem Checklisten und „Tools“ für eine prozessorientierte Beratung von Ärzten zur Verfügung.
Die Feststellung des Istzustands und die Entwicklung einer individuellen Strategie nach dem DATEV-Ärzte-ProCheck erfordern in der Regel ein bis drei Tage. Das Tageshonorar für den in das Programm einbezogenen Spezialisten der DATEV beträgt rund 1 100 Euro plus Mehrwertsteuer; hierzu kommen das Honorar des Steuerberaters sowie gegebenenfalls Auslagenersatz für Reisekosten oder Übernachtung. Die DATEV erstellt einen individuellen Kostenvoranschlag.
Michael Bandering
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