ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Pediculosis capitis: Neues Pedikulozid lässt Kopfläuse ersticken

PHARMA

Pediculosis capitis: Neues Pedikulozid lässt Kopfläuse ersticken

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2218

Leinmüller, Renate

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Foto: Mandacaru-Stiftung
Foto: Mandacaru-Stiftung
P estizid- und insektizidfrei, biologisch inert, dabei hochwirksam – das sind die Kennzeichen eines neuen Medizinprodukts gegen Kopflausbefall. Das Wirkprinzip: Tod von adulten Läusen, Larven und Embryonen (Nissen) durch Ersticken. Das Präparat enthält Silikonöl als Wirkstoff: Zwei Dimeticone – ein dünnflüssiges und ein viskoses – dringen durch ihre hohe Kriechfähigkeit in die 14 Atemöffnungen der adulten Kopflaus ein und kleiden das Tracheensystem aus.
In vitro werde so innerhalb von fünf Minuten das Atemsystem der Parasiten lahmgelegt, erklärte Prof. Jörg Heukelbach (Fortaleza/Brasilien) in Frankfurt am Main. Das Produkt Nyda® L wirke nach seinen Untersuchungen auch gegen Larven und Eier. Eine Resistenzbildung sei durch diesen Mechanismus – anders als bei chemischen und pflanzlichen Pedikuloziden – „undenkbar“. Die inerten Dimeticone wiesen auch keine Toxizität auf.
Das Präparat ist auch in vivo gegen ein Produkt mit ein Prozent Permethrin bei jeweils etwa 70 Kindern mit starkem Lausbefall geprüft worden. Die Substanz wird aus der Sprühflasche am Tag eins und dann noch einmal am Tag acht aufgetragen.
Bei den Heilungsraten schnitt die Dimeticonlösung signifikant besser ab: Am Tag zwei waren bei 95 Prozent der Kinder keinerlei aktive Läuse mehr nachzuweisen, am Tag neun lag diese Rate bei 97 Prozent. In der Vergleichsgruppe dagegen waren nur zwei Drittel der Kinder (67 beziehungsweise 68 Prozent) zu diesen Zeitpunkten läusefrei. Auch der begleitende Juckreiz – eine allergische Reaktion auf Speichelproteine der Laus – besserte sich nach Angaben von Heukelbach deutlich.
Wie der Parasitologe weiter ausführte, sei zur Behandlung prinzipiell eine einmalige Anwendung ausreichend. In Anlehnung an die jüngste Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (DÄ Heft 22/2007), die auf der fraglichen Ovumtoxizität bisheriger Produkte basiert, werde jedoch eine zweite Anwendung an Tag acht angeraten.
Schätzungsweise jedes dritte Kind bringt mindestens einmal Kopfläuse mit nach Hause. Ob die Prävalenz des Befalls zunimmt oder – wie in umliegenden Staaten – die Resistenzlage auch in Deutschland steigt, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich spielen beide Gründe eine Rolle beim steigenden Absatz der Pedikulozide, der von 2003 bis 2006 um ein Drittel gestiegen ist.
Da Kopfläuse nur „von Kopf zu Kopf“ übertragen würden, aber kaum durch Gegenstände wie Mützen, Hüte oder Haarbürsten, seien groß angelegte Waschaktionen von Kleidung über Polster bis hin zu Gardinen „völliger Quatsch“, betonte Heukelbach.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Pressekonferenz „Paradigmenwechsel in der Therapie von Kopflausbefall“ in Frankfurt/Main, Veranstalter: Pohl Boskamp
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