ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Belastungsinkontinenz: Konservative Therapie ausschöpfen

PHARMA

Belastungsinkontinenz: Konservative Therapie ausschöpfen

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2219

Vetter, Christine

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LNSLNS Obwohl die Inzidenz der Erkrankung aufgrund der Altersstruktur steige und die Belastungsinkontinenz nicht mehr so wie früher mit Tabus behaftet sei, erführen laut Aussage von Dr. Gert Naumann (Mainz) nur rund ein Drittel der Patienten eine umfassende konservative Behandlung: „Derzeitige Möglichkeiten werden noch nicht voll ausgeschöpft“, erläuterte der Wissenschaftler in Düsseldorf.
Dazu gehörten Verhaltensmodifikationen, die speziell auf das Rauchen, das Körpergewicht und das Trinkverhalten abzielen müssten, aber auch die Physiotherapie mit Beckenbodentraining, Biofeedback, Elektrostimulation und Konustherapie sowie die Pharmakotherapie, die einen zentralen Stellenwert innehabe. Behandelt werde mit dem Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Yentreve®), der nach Angabe von Naumann erstmals eine medikamentöse Therapieoption der Belastungsinkontinenz eröffnet habe.
Die Inkontinenzepisoden werden durch den Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer um rund 60 Prozent gebessert, ein statistisch signifikantes Resultat. „Gebessert wird zugleich die Lebensqualität der betroffenen Patienten“, betonte der Wissenschaftler. Anders als die übrigen konservativen Maßnahmen führe Duloxetin in der Mehrzahl der Fälle dabei rasch zu einer Symptomlinderung. Generell sei im Mittel innerhalb von nur 14 Tagen mit einer Besserung zu rechnen, bei zwei Dritteln der Responder auf die Medikation werde ein erkennbarer Behandlungserfolg aber schon in den ersten drei Tagen vermittelt.
Er empfahl, initial mit zweimal 20 mg des Wirkstoffs zu beginnen und nach zwei Wochen auf zweimal 40 mg zu steigern. Der Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer werde gut vertragen. Allerdings sollten die Frauen auf anfängliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindelgefühle hingewiesen werden, dann sei die Abbruchrate deutlich geringer als ohne diese Aufklärung.
Eine Operation komme nach Meinung von Naumann bei der Belastungsinkontinenz lediglich als Ultima Ratio in Betracht, da die Langzeitergebnisse beim chirurgischen Eingriff häufig nicht befriedigend seien.
Christine Vetter

Lunch-Symposium „Die belastungsinkontinente Patientin in der Frauenarztpraxis“ anlässlich des Fortbildungskongresses der FBA – Frauenärztliche Berufsakademie in Düsseldorf, Veranstalter: Lilly
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