ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2007Palanga, Nidda und die deutsche Börse

GELDANLAGE

Palanga, Nidda und die deutsche Börse

Dtsch Arztebl 2007; 104(31-32): A-2220 / B-1965 / C-1897

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Kennen Sie Palanga? Nein – weder in Spanien noch in Lateinamerika, wie manche vermuten mögen, sondern in Europa liegt dieses quirlige litauische Ostseebad, das von deutschen Urlaubern bisher kaum entdeckt wurde. Eine halbe Autostunde von Palanga entfernt ist die Hafenstadt Klaipeda, das ehemalige Memel. Von Klaipeda aus gelangt der Tourist direkt in die Kurische Nehrung, ein faszinierendes Naturereignis ohnegleichen. Nicht umsonst hat hier, im Fischerdörfchen Nidda, Thomas Mann seine Sommerfrischen verbracht. Kurzum: ein Hort der absoluten Ruhe und geistigen Erfrischung.
Warum ich Ihnen das alles schreibe? Einerseits, weil Palanga als Metapher für das hektische Börsengeschehen steht und ich da gerade ein Tennisturnier spiele, die Kurische Nehrung sich anderseits gut als Gegengewicht für die zwingende Notwendigkeit eignet, auch mal innezuhalten. Eben nach Nidda in der Kurischen Nehrung fahre ich jeweils nach den Spielen zurück und finde dort Ruhe und Beschaulichkeit. Die Frage, stimmt meine Anlagestrategie noch, lässt sich am besten beantworten, wenn genügend Muße und Zeit zum Überlegen ist.
Apropos Hektik: Bei der letzten Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“ ging es Anfang Juli bei jedem zweiten Anruf um die Abgeltungsteuer, und bei vielen spürte ich jetzt schon die innere Unruhe, was denn zu tun und zu lassen sei und alles am liebsten sofort. Der Drang, irgendwie reagieren zu müssen, wird freilich auch von diversen Anbietern jedweder Anlageprodukte forciert, oft genug, um die bloße Angst zu schüren – da lässt es sich auch leichter unterschreiben.
Aber auch hier will gut Ding Weile haben. Es stimmt zwar, dass ab dem 1. Januar 2009 diese berüchtigte Steuer eingeführt wird, doch können alle Überlegungen heute lediglich theoretischer Natur sein. Vor allem kommt es bei den konkreten Anlageentscheidungen darauf an, wie die Börsenwelt im Herbst 2008 beschaffen sein wird. Es macht nicht viel Sinn, auf Aktien zu setzen, wenn dann die Kurse extrem hoch sind, erst recht wäre es aber genau dann vonnöten, auf Dividendentitel zu bauen, wenn der DAX niedrig steht. Ähnliches gilt für Zinsen und die Entscheidung für festverzinsliche Wertpapiere. Warten wir also erst einmal in Ruhe ab, bevor das Falsche getan wird.
Die bisherige DAX-Entwicklung zeigt übrigens, dass es genau richtig war, auf dem Geld sitzen zu bleiben. Daran sollte sich auch in naher Zukunft nichts ändern. Es sieht ganz danach aus, dass es Ende dieses Jahres noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien geben wird. Der Nidda-Effekt heißt also, Ruhe bewahren und abwarten.
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