ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2007Arztassistent, bitte übernehmen Sie!

POLITIK

Arztassistent, bitte übernehmen Sie!

PP 6, Ausgabe August 2007, Seite 352

Rieser, Sabine

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LNSLNS Muss ein Arzt all das tun, was er heute tut? Nein, findet man beim privaten Klinikbetreiber Sana. Manches könnte genau so gut ein „ärztlicher Assistent“ übernehmen: „Verbandswechsel und Wundbeurteilung etwa oder das Einbringen von Magensonden und der Wundverschluss nach einer OP.“ Aber auch DRG-Verschlüsselungen oder das Patientenmanagement ließen sich übertragen.
Deshalb hat sich Sana entschieden, von Herbst 2007 an 25 Mitarbeiter nach Berlin an die Steinbeis-Hochschule zu schicken. Dort sollen sie sich zum „Bachelor of Science in Physician Assistance“ qualifizieren. „Ziel ist es, zwischen dem akademischen Beruf des Arztes und dem Ausbildungsberuf der Krankenpflege ein weiteres Berufsbild zu etablieren: den akademischen nicht ärztlichen Medizinberuf“, heißt es in einem Geschäftsbericht.
Dieses Beispiel belegt, dass der Sachverständigenrat mit seinem jüngsten Gutachten ein heißes Eisen angepackt hat. Denn Forderungen nach neuen Gesundheitsberufen und besserer Kooperation lösen heftige Debatten aus. Das belegte eine Diskussionsrunde während des diesjährigen Hauptstadtkongresses Mitte Juni in Berlin.
Dort stellte Marie-Luise Müller, die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, klar, dass es den Pflegeberufen nicht ausreichen würde, mehr delegationsfähige Aufgaben zu übernehmen und Ärzte stärker zu entlasten. „Wer eine Aufgabe übernimmt, muss auch die Verantwortung übernehmen“, forderte Müller. Sie sei gespannt, ob die Politik medizinische Fachberufe „auf Augenhöhe“ mit Ärzten arbeiten lasse. „Wir plädieren dafür, dass Versicherte direkten Zugang zu medizinischen Fachberufen haben“, forderte Eckhardt Böhle, Generalsekretär des Deutschen Verbands der Physiotherapeuten. In Holland sei dies seit Anfang des Jahres möglich.
Die Sichtweise der Ärzteschaft vertrat Dr. med. Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer. Sie plädierte durchaus für Kooperation. Dem Wunsch vieler Kollegen entspreche es aber, „dass Fragen der Diagnose und der Therapiesteuerung in ärztlicher Hand bleiben.“ Zu bedenken sei zudem, dass Ärzte durch Budget- und Haftungsverantwortung in die Pflicht genommen seien. Damit erntete sie einigen Widerspruch. „Wie stellen Sie sich ein Arbeiten auf gleicher Augenhöhe auf Anordnung hin vor?“, wollte eine Zuhörerin wissen. Ein anderer Kongressbesucher monierte: „Warum wollen Sie Verantwortung behalten für Bereiche, die Sie gar nicht richtig kennen?“ Eine Zuhörerin stimmte ihm zu: „Das Wissen kann heute von keiner Berufsgruppe mehr allein repräsentiert werden“, urteilte sie. Rie
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