ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/20073 Fragen an…: Prof. Dr. med. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité-Universitätsmedizin Berlin

POLITIK

3 Fragen an…: Prof. Dr. med. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité-Universitätsmedizin Berlin

PP 6, Ausgabe August 2007, Seite 354

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Charité hat zu Beginn des Gerichtsverfahrens eine vierköpfige Untersuchungskommission eingesetzt: Klaus Bepler, Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht, Ricarda Klein, Direktorin für Patienten- und Pflegemanagement am Universitätsklinikum Hamburg, Prof. Dr. Jens Reich, Mitglied des Nationalen Ethikrats, Prof. Dr. Peter Suter, Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Was war deren Auftrag?
Frei: Sie sollten der Frage nachgehen, ob es auf der Intensivstation organisatorische Mängel oder Versäumnisse gegeben hat, deretwegen die Sicherheit von Patienten gefährdet war. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob es Kommunikationsmängel innerhalb und zwischen den Berufsgruppen gab oder gar Verstöße gegen Dienstpflichten. Und schließlich wollten wir von der Kommission Vorschläge erhalten, um die Patientensicherheit zu verbessern.
Anfang Juli sollen erste Ergebnisse vorliegen. Einen detaillierten Bericht will die Kommission im Sommer nachreichen.

Hat deren Arbeit bisher schon Konsequenzen nach sich gezogen?
Frei: Nicht unmittelbar. Wir haben von selbst Maßnahmen ergriffen. So wurde die Pflegedienstleitung der Station suspendiert. Gegen sie läuft ein arbeitsrechtliches Verfahren. Darüber hinaus haben wir Pflegekräfte und einen Arzt der Station innerhalb des Hauses versetzt, um sie zu entlasten und aus der Schusslinie zu nehmen. Die Betreffenden haben nicht das Gefühl, etwas Gravierendes falsch gemacht zu haben. Aber wir müssen abwarten, was die Kommission uns noch rät.

Haben Sie darüber hinaus etwas unternommen?
Frei: Wir haben allen Mitarbeitern auf Intensivstationen vermehrt Supervisionen angeboten. Das wird auch genutzt. Wir haben das Fehlermeldesystem CIRS flächendeckend eingeführt. Etabliert ist nun auch eine strukturierte Komplikations- und Mortalitätskonferenz, im Rahmen derer alle Todesfälle besprochen werden. Dafür kommen Intensivmediziner jeweils von einer anderen Station dazu.
Fragen: Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema