ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2007Qualitätssicherung: Mehr Geld für gute Leistungen

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Qualitätssicherung: Mehr Geld für gute Leistungen

Dtsch Arztebl 2007; 104(33): A-2225 / B-1969 / C-1901

Rabbata, Samir

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Samir Rabbata Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
Samir Rabbata
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
Sanni ist von ihrem Arzt begeistert: „Er ist interessiert am Patienten, nimmt sich Zeit und ist gut über Neuheiten informiert.“ Auch Nils lobt seinen Arzt: „Die Praxis ist gut organisiert. Die Öffnungszeiten sind lang, und die Terminvergabe ist flexibel.“ Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die ihren eigenen Namen googeln oder Internetportale wie „Helpster“, „Topmedic“ oder „Jameda“ anklicken, bekommen immer häufiger derlei Patientenbewertungen über sich zu lesen. Meist fallen die Kommentare positiv aus. Aber auch an harscher Kritik mangelt es nicht. So beschwert sich Frank im Bewertungsforum von Helpster über seine Ärztin: „Das habe ich noch nicht erlebt. Sie ist unfreundlich zu Mitarbeitern und Patienten.“
Die Offenheit der Forumteilnehmer hat ihren Grund. Die Patienten bleiben im Gegensatz zu den Ärzten anonym. Auch deshalb bieten die Portale, die nach Angaben der Betreiber den Patienten eine Orientierung im Gesundheitsdschungel verschaffen sollen, kaum verlässliche Anhaltspunkte für die Arztsuche. Denn niemand weiß, ob die Kommentare authentisch sind und aus welcher Motivation heraus sie verfasst wurden. Egal ob positiv oder negativ, in jedem Fall sind die Bewertungen subjektiv.
Dennoch: Allein die Tatsache, dass die Zahl solcher Internetdienste steigt, verdeutlicht den Informationsbedarf der Patienten. Bislang ist es privaten Anbietern vorbehalten, die Patienten zu informieren. Doch das könnte sich bald ändern. So glaubt der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, dass viele Kollegen, die nachweislich gute Qualität anbieten, dies auch öffentlich machen wollen. Patienten sollten die Qualität ihres Arztes künftig an einem Siegel auf dem Praxisschild erkennen können, schlägt er vor. Wer zusätzliche Informationen wolle, könne dann zum Beispiel im Internet nachlesen, wie viele Darmspiegelungen ein Arzt pro Jahr vornehme. „In etwa zwei Jahren soll es dafür das Deutsche Gesundheitssiegel geben“, kündigte Köhler an. Für die Umsetzung sieht er die KBV und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) in der Pflicht.
Mit ihrem Programm „Qualität und Entwicklung in Praxen“ (QEP) sind die KBV ebenso wie die Bundes­ärzte­kammer als Mitgesellschafter der „Kooperation für Transparenz und Qualität“ (KTQ) bereits seit Längerem auf dem Gebiet der ambulanten Qualitätssicherung aktiv. Der Gesetzgeber schrieb 2004 eine Verpflichtung zur Einrichtung von Qualitätsmanagementsystemen (QM-Systeme) vor. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss konkretisierte dies in einer Richtlinie. Doch ist man noch von einer flächendeckenden Umsetzung entfernt. Bei einer im vergangenen Jahr vorgenommenen Untersuchung der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse gaben zwei Drittel der befragten niedergelassenen Ärzte an, sich bislang für kein QM-System entschieden zu haben. Manche Ärzte fürchten die Kosten, andere sorgen sich vor zusätzlicher Bürokratie. Tatsächlich ist die Einführung eines QM-Systems bislang eine Einbahnstraße. Während Patienten und Kassen profitieren, müssen die Ärzte die Lasten allein tragen.
Köhler schlägt deshalb vor, dass Ärzte für gute Qualität auch mehr Geld bekommen sollen. Das ist nicht neu. Schon jetzt müssen Ärzte, die beispielsweise eine Koloskopie vornehmen und abrechnen wollen, eine Genehmigung der KV einholen. Der Arzt muss dafür eine jährliche Mindestmenge von Untersuchungen und die Einhaltung strenger Hygienevorschriften nachweisen. Solche Regelungen will die KBV ausbauen. Dass dies nicht von heute auf morgen zu machen ist, liegt nahe – auch weil innerhalb der Ärzteschaft die Zuständigkeiten für die Qualitätsoffensive ausgelotet werden müssen. Doch unabhängig davon, wie die Regelung im Detail ausgestaltet wird, könnten am Ende alle profitieren – Patienten, Ärzte und Krankenkassen.

Samir Rabbata
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
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