ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2007Gewebegesetz: Organspende hat Vorrang vor Gewebespende

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Gewebegesetz: Organspende hat Vorrang vor Gewebespende

Dtsch Arztebl 2007; 104(33): A-2230 / B-1974 / C-1906

Siegmund-Schultze, Nicola

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Augenhornhäute sind von der Zuordnung zum Arzneimittelrecht ausgenommen. Foto: ddp
Augenhornhäute sind von der Zuordnung zum Arzneimittelrecht ausgenommen.
Foto: ddp
Am 1. August ist das Gewebegesetz in Kraft getreten. Mit dem Gesetz über den Umgang mit menschlichen Zellen und Geweben hat der Bundestag eine Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt, die EU-weit Qualitätsstandards für die medizinische Verwendung von Zellen und Geweben gewährleisten soll. Das Gesetz ist unter anderem von der Bundes­ärzte­kammer heftig kritisiert worden, weil Gewebe nun zum Teil den Regelungen des Arzneimittelgesetzes unterliegen. Ausgenommen von dieser Zuordnung zum Arzneimittelrecht sind Gewebetransplantate, die nicht mit industriellen Methoden weiterverarbeitet werden, beispielsweise Herzklappen oder Augenhornhäute.
Der Gesetzgeber hat ausdrücklich der Organspende Vorrang eingeräumt vor der Gewebespende. Kurz vor Inkrafttreten des Gewebegesetzes hat sich die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) von ihrer Tochtergesellschaft DSO-G (Deutsche gemeinnützige Gesellschaft für Gewebetransplantation) getrennt. Die DSO koordiniert in Deutschland die postmortale Organspende. Um einen Interessenkonflikt zwischen der altruistischen Organspende und der teilweise kommerziellen Gewinnung und Verarbeitung von Geweben zu vermeiden, hatte sich auch die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) dafür ausgesprochen, beide Bereiche zu trennen. „Wir begrüßen den Schritt der DSO, weil die Trennung zwischen den für die Organ- und für die Gewebespende zuständigen Organisationen mögliche Interessenkollisionen vermeiden hilft“, betonte Prof. Dr. med. Bernhard Krämer, Generalsekretär der DTG. Noch im Juni hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt bei der Jahrestagung der DSO gesagt, das Ministerium verfolge „mit großem Interesse die Bemühungen der DSO, sich von der DSO-G abzugrenzen“. Eine solche Trennung entspricht auch deshalb dem Wunsch vieler Ärzte, weil es keine klaren Entscheidungskriterien gibt, ob sich ein Organ für die Organtransplantation eignet oder nur für die Gewebespende.
Die DSO-G werde als gemeinnützige Gesellschaft weitergeführt, so deren Sprecher, Prof. Dr. med. Holger Baumann von der Medizinischen Hochschule Hannover. Diese sowie die Universitätskliniken Leipzig und Dresden haben jeweils ein Drittel der Anteile der DSO-G erworben. Baumann erwartet, dass sich weitere Universitätskliniken und Transplantationszentren dem Konsortium angliedern. nsi
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