ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2007Doping: Gegen Kriminalisierung des Dopings
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
. . . Jedermann weiß, dass insbesondere im Hochleistungssport in allen Staaten gedopt wird. Auch ist bekannt, dass alle Ausführungen zum Doping scheinheilig sind . . . Die Antidoping-Initiativen widersprechen Art. 2 unseres Grundgesetzes: Hiernach hat jeder das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. Da jede Person, die im Hochleistungssport selbst etwas erreichen möchte, oder durch interessierte Gruppen dazu angetrieben wird, etwas erreichen zu sollen, ohne Dopingmittel diese Leistungen nicht erreichen kann, ist es eine eigenverantwortliche Aufgabe dieser Person, ob sie zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit im Sport entsprechende Dopingmittel nimmt oder nicht. Sie hat darüber zu entscheiden, ob die für das entsprechende Dopingmittel beschriebenen Nebenwirkungen so gravierend sind, dass sie von diesem Mittel oder überhaupt von dem Vorhaben, Hochleistungssportler zu werden und von der Öffentlichkeit ob ihrer Leistungen bejubelt zu werden, Abstand nimmt oder nicht. Schließlich ist es der eigene Körper, der auf Kosten gegebenenfalls erheblicher Nebenwirkungen geschädigt wird. Insoweit verletzt der Doper auch keine Rechte anderer – höchstens dann, wenn sich herausstellen sollte, dass aufgrund von erheblichen Nebenwirkungen für ihn später mehr soziale Aufwendungen erbracht werden müssen als für den Durchschnitt der übrigen Bevölkerung. Diese materiellen Auswirkungen lassen sich jedoch dann gesetzlich regeln. Es ist auch nicht ersichtlich, wie ein Doper gegen die verfassungsmäßige Ordnung verstoßen sollte. Auch ist nicht ersichtlich, wie er gegen das Sittengesetz verstoßen sollte. Schließlich ist es im Hochleistungssport Sitte, dass gedopt wird. Es ist daher auch nicht angebracht, Ärzte und Trainer (und konsequenterweise das Publikum – zu dem auch Dopinggegner gehören –, das weiß, dass gedopt wird und durch Zahlungen Anreiz zum Dopen gibt und den Doper belohnt) zu kriminalisieren. Darüber hinaus erweist man auch der Wissenschaft keinen Dienst, wenn man den Doper und die Menschen, die den Doper bei seinem Vorhaben unterstützen, kriminalisiert: Zumindest ist es erstaunlich, welche Leistungen durch Dopingmittel zu erzielen sind. Die Wissenschaft wird schon aus sich heraus stets darum bemüht sein, noch bessere Dopingmittel mit noch weniger Nebenwirkungen zu erfinden, als sie bis jetzt bekannt sind . . . Seien wir ehrlich und geben wir das kontrollierte Dopen frei nach Richtlinien des Arzneimittelgesetzes unter Aufführung der Wirkungen und der Nebenwirkungen.
Dr. Gert Schwaiger, Kurhessenstraße 93 a,
60431 Frankfurt/Main
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige