ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2007Rechtsreport: Alle Risiken nennen
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In der ersten Instanz des gerichtlichen Verfahrens wurde festgestellt, dass die Patientin zwar über das Risiko einer Querschnittslähmung, jedoch nicht über die Gefahr einer Pseudarthrose aufgeklärt wurde. Für den aufklärenden Arzt haben wir deshalb das Argument angeführt, die Patientin sei über das für sie schwerste Risiko aufgeklärt worden. Schließlich sei die Querschnittslähmung nicht mit dem Eintritt von Pseudarthrosen zu vergleichen. Deshalb sei es unglaubwürdig, wenn sie nun behauptet, sie hätte der Operation nicht zugestimmt, wenn sie auch Kenntnis über die Gefahr einer Pseudarthrose gehabt hätte. Folgte das Landgericht dieser Auffassung noch, lehnte der Bundesgerichtshof (BGH) diese Argumentation ab. Diese Rechtsprechung stellt eine weitere Verschärfung der Aufklärungspflichten dar. Der aufklärende Arzt darf sich also nicht damit begnügen, dem Patienten das Worst-Case-Szenario vor Augen zu führen. Auch geringere Risiken müssen erwähnt und penibel dokumentiert werden. Schließlich wird sich der Patient im Zweifel (oder im Prozess) nur noch an das schlimmste Risiko erinnern.
Christian Koller, Ehlers, Ehlers & Partner,
Rechtsanwaltssozietät, Widenmayerstraße 29,
80538 München
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