ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2007Medizintechnik: Branche mit Zukunft

TECHNIK

Medizintechnik: Branche mit Zukunft

Dtsch Arztebl 2007; 104(33): A-2296 / B-2034 / C-1966

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Experten bescheinigen der Medizintechnik in Deutschland ein hohes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dennoch sind die guten Aussichten nicht gänzlich ungetrübt.

Die deutsche Medizintechnik ist international gut aufgestellt: So liegt Deutschland bei den Patenten in der Medizintechnik auf Platz zwei hinter den USA. Deutsche Medizintechnikunternehmen erzielen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als zwei Jahre alt sind. Durchschnittlich werden in der Branche rund acht Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung (FuE) gesteckt. Das hohe Innovationspotenzial drückt sich auch in einem hohen Anteil am Welthandel für medizintechnische Produkte aus. „In den vergangenen zehn Jahren ist der Gesamtumsatz der deutschen Medizintechnikbranche um rund sieben Prozent pro Jahr auf 15 Milliarden Euro expandiert. Weltweit steht Deutschland dabei an dritter Stelle hinter den USA und Japan“, betonte Helmut Wehrstein von der Firma Karl Storz bei der „WirtschaftsWoche“-Tagung Medizintechnik in München.
In Industrieländern werden inzwischen rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts für Gesundheitsleistungen ausgegeben – der Gesundheitsmarkt wächst, bedingt unter anderem durch die demografische Entwicklung und einen höheren Lebensstandard. Dennoch ist der Blick in die Zukunft nicht ungetrübt für die Medizintechnikbranche: Die Nachfrage aus dem Inland ist gering, nicht zuletzt aufgrund chronischer Unterfinanzierung des Gesundheitswesens und eines von Experten auf rund 25 bis 30 Milliarden Euro bezifferten Investitionsstaus in den Krankenhäusern und Arztpraxen. Absatzprobleme ergeben sich außerdem durch den Trend zu Gemeinschaftspraxen und neuen Versorgungsformen wie Medizinische Versorgungszentren sowie durch Fusionen von Krankenhäusern. „Die Schere zwischen Inlands- und Auslandsgeschäft öffnet sich weiter“, ist Wehrstein überzeugt.
Märkte im Wandel
Auch die Nachfrage in der Europäischen Union sei – gemessen an der Entwicklung des Weltmarkts – unterdurchschnittlich, und die Märkte seien nachfrageseitig segmentiert, sagte Dr. Kurt Hornschild, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. Hinzu kommt, dass sich die Märkte verändern und als Folge der Globalisierung zusammenwachsen. Dies stellt hohe Anforderungen an die mittelständisch geprägte Branche in Deutschland. Fast 90 Prozent der rund 1 000 Medizintechnikbetriebe haben nur bis zu 100 Beschäftigte, lediglich zwei Prozent beschäftigen mehr als 500 Mitarbeiter. Wegen der hohen FuE-Aufwendungen und langer Markteinführungsphasen von neuen Produkten und Verfahren könnten viele kleinere Hersteller künftig Schwierigkeiten bekommen, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten, befürchtet Hornschild.
Mentalitätswechsel
Aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage werden die Geschäftsfelder Wartung und Service immer wichtiger. Darüber hinaus setzen große und kleine „Player“ verstärkt auf Prävention und auf den Wandel der Patienten zu Konsumenten. „Healthcare beginnt beim gesunden Menschen“, meinte Jochen M. Franke, Philips. Die steigende Lebenserwartung und eine ältere Bevölkerung bedingten ein anderes Verhältnis zur Gesundheit. Nachhaltige Gesundheitssysteme erforderten einen Mentalitätswechsel und müssten beim gesunden Menschen – beim individuellen Lebensstil und der genetischen Prädisposition – ansetzen. „Die stärkere finanzielle Belastung der Versicherten muss als Investition in die eigene Gesundheit definiert werden“, so seine These. Philips will daher Lösungen für den gesamten „Care-Cycle“ anbieten und so seine Geschäftsfelder erweitern. Auch der Mitbewerber GE setzt auf „Early-Health-Konzepte“, zusätzliche Dienstleistungen und kostensparende Medizintechnik. Allerdings: „Innovationen bleiben die Treiber der Medizintechnik“, so Bernd von Polheim, GE Healthcare.
Die gute Wettbewerbssituation Deutschlands in diesem Bereich zu erhalten und auszubauen, ist auch ein Anliegen der Bundesregierung.
Nach einer Studie, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2005 zur Medizintechnik in Auftrag gegeben hatte (www.gesundheitsforschung-mbf.de/921.php), wird die Medizintechnik vor allem durch drei Trends bestimmt: Computerisierung in nahezu allen Bereichen, Molekularisierung (repräsentiert durch Biotechnologie sowie Zell- und Gewebetechnologie) sowie Miniaturisierung, vor allem sichtbar in der Mikrosystemtechnik, der Nanotechnologie und in den optischen Technologien. „Medizintechnologie ist multidisziplinär – sie betrifft viele Fachbereiche und Technologien. Das spiegelt sich in unserer Förderstrategie wider“, sagte Dr. Claudia Herok, Referat Gesundheitsforschung im BMBF. Der Anfang 2007 vorgelegte Aktionsplan Medizintechnik definiert Schwerpunktthemen in drei Bereichen:
- Bildgebungsverfahren, die präzise Ansichten vom menschlichen Gehirn und von Organen ermöglichen (Fördersumme rund 60 Millionen Euro),
- Medizintechnik in Rehabilitation und Pflege und intelligente Implantate (Fördersumme rund 57 Millionen Euro),
- Medizintechnik für die regenerative Medizin, bei der Zellen außerhalb des Körpers vermehrt und zurück in den Körper transplantiert werden, um gestörte Gewebe oder Organfunktionen zu unterstützen (Fördersumme circa 45 Millionen Euro).
Heike E. Krüger-Brand
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