GELDANLAGE

Der Fall IKB

Dtsch Arztebl 2007; 104(33): A-2299 / B-2035 / C-1967

Rombach, Reinhold

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LNSLNS So schnell kann es gehen. Noch vor gut einem Monat wiegelte die hochangesehene deutsche IKB (Industriekreditbank) Gerüchte über eine Schieflage ab, die amerikanische Subprime-Krise würde die Mittelstandsbank bestenfalls mit ein paar Milliönchen belasten. Peanuts halt.
Es ist Samstagnacht in Deutschland, Ende Juli, Urlaubszeit. Rund 30 Faxgeräte spucken ein Schreiben des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück aus, die Mitglieder des Verwaltungsrats der Staatsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mögen sich zu einer kurzfristig einberaumten Telefonkonferenz einfinden, einen Tag später, Sonntag, 15 Uhr, beste Kaffeezeit.
Zum Plausch ist das angesagte Thema gleichwohl völlig ungeeignet. Die Staatsbank soll in die Bresche springen, um der unversehens in Not geratenen IKB beizustehen, deren Großaktionär eben die KfW mit gut 38 Prozent ist.
Den Gesprächsteilnehmern ist schnell klar, dass eine Katastrophe bevorsteht, die einen Flächenbrand erheblichen Ausmaßes auslösen könnte: Eine als bisher grundsolide angesehene Bank steht vor der Pleite, und es geht um nicht mehr und nicht weniger, als eine der größten Bankenkrisen in der deutschen Geschichte zu verhindern. Mit Staatsgeldern, versteht sich.
Die Rhineland Funding ist offiziell gar keine Tochter der IKB, sie steht jedenfalls nicht in den Büchern, es besteht lediglich ein Beratungsverhältnis zwischen den beiden mit einer Liquiditätsgarantie der IKB, wenn sich Rhineland Funding nicht mehr „refinanzieren“ kann. Rhineland Funding hat sich aber eben genau in diesem US-Subprime-Markt ziemlich verhoben, und als die Kreditgeber (darunter die Deutsche Bank) nicht mehr mitspielen wollten, griff die Garantiezusage der IKB über mehrere Milliarden Euro. Oder anders: Mit einem nicht bilanzwirksamen Geschäft bereitete sich die IKB fast selbst den Garaus. Da fragt sich der Betrachter schon, wie „off balance“ so ein Riesenrad gedreht werden kann, ohne dass Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden Wind von der Sache bekommen.
Besagte Telefonkonferenz jedenfalls endete kurz vor Mitternacht mit dem Schnüren eines Rettungspakets für die schwer angeschlagene IKB. Die Staatsbank KfW geht in die Haftung bis zu 8,1 Milliarden Euro, will heißen, die KfW tritt in die „Liquiditätslinien für die Rhineland Funding ein“ und übernimmt in die eigene Bilanz risikoreiche Wertpapiere aus dem Bestand der IKB. Der Steuerzahler hat’s ja.
War’s das, oder kommt das dicke Ende doch noch? Der Fall IKB jedenfalls deckt schonungslos auf, dass auch in Deutschland und auch heute noch eine Bank von jetzt auf gleich ohne Warnsignale pleitegehen kann, trotz eines immensen Aufsichtsapparates. Was ist, wenn im nächsten Fall der Staat nicht mehr helfen kann oder will? Damokles ist überall.
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