ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2007Ohne Lachgas weniger Komplikationen

AKTUELL: Akut

Ohne Lachgas weniger Komplikationen

Dtsch Arztebl 2007; 104(34-35): A-2310 / B-2046 / C-1978

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Der Verzicht auf Stickstoffmonoxid („Lachgas“) bei der Narkose vermindert das Risiko von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV). In einer randomisierten kontrollierten Studie in „Anesthesiology“ (2007; 107: 221–31) trat eine Reihe von postoperativen Komplikationen seltener auf, wenn Lachgas gegen Sauerstoff ausgetauscht wurde. Aufgrund seiner analgetischen Wirkung war Lachgas lange Zeit ein häufig verwendetes Narkotikum, in den letzten Jahren wurde es jedoch in Studien immer öfter mit PONV in Verbindung gebracht.
Im Rahmen der aktuellen Studie, an der sich weltweit 18 Kliniken beteiligten, wurden 3 187 Patienten während größerer Operationen (Dauer mindestens zwei Stunden) entweder mit einem Gemisch aus 70 Prozent Lachgas plus 30 Prozent Sauerstoff oder 80 Prozent Sauerstoff plus 20 Prozent Stickstoff beatmet. Primärer Endpunkt war die Dauer des Kranken­haus­auf­enthalts. Hier gab es keine Unterschiede. In beiden Gruppen verließen die Patienten nach sieben Tagen die Klinik. Doch bei den sekundären Endpunkten gab es deutliche Vorteile der lachgasfreien, aber sauerstoffreichen Narkose.
Einfluss von Sauerstoff ist nicht
zu unterscheiden
Das PONV-Risiko sank um 60 Prozent (adjustierte Odds Ratio [OR] 0,40; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,31–0,51). Aber auch Wundinfektionen (OR 0,72), Fieber (OR 0,73) und Pneumonien (OR 0,51) traten deutlich seltener auf. Tendenzielle Risikominderungen gab es weiterhin bei Atelektasen, Herzinfarkt, Thromboembolien, Bluttransfusionen und dem Sterberisiko innerhalb der ersten 30 Tage, wenn in diesen Endpunkten auch das Signifikanzniveau verfehlt wurde. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass das Risiko schwerer postoperativer Komplikationen um 30 Prozent sinkt, wenn auf Lachgas verzichtet wird – beziehungsweise, wenn die Patienten hoch dosiert Sauerstoff erhalten. Denn genau genommen kann die Studie zwischen diesen beiden Erklärungen nicht unterscheiden, wie die Editorialistin Harriet Hopf von der Universität von Utah in Salt Lake City schreibt (Anesthesiology 2007; 107: 200–1). Trotz einiger methodischer Schwächen (Ungleichverteilung bei der Antibiotikagabe und bei Maßnahmen zur Normothermie) glaubt sie, wie auch das Autorenteam der Studie um Paul Myles vom Alfred Hospital in Melbourne, dass die Studie zu einem weltweiten Rückgang der Lachgas-Narkosen führen werde. Rüdiger Meyer
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