ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2007GKV: Überbordende Bürokratisierung
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. . . Als in der Klinik tätiger Arzt weiß ich aus eigener Erfahrung, dass nicht nur die MDK-„Gutachten“ ungefiltert von den Kassen übernommen werden, sondern auch, dass diese „Gutachten“ häufig methodische und/oder logische Fehler enthalten. Der sich hieraus ergebende Schriftverkehr ist enorm. Ich stimme Herrn Jankowski auch zu, wenn er sagt, dass die Dokumentation entscheidend ist, jedoch kann ich seine Argumentation nicht nachvollziehen, wenn er schreibt: „Das Argument von Zeit- und Personalknappheit hilft nicht weiter. Ein Ausfall von Behandlungskosten für eine dreimonatige vollstationäre Therapie nur eines Patienten kann bereits das Jahresgehalt einer vollzeitbeschäftigten Krankenschwester übersteigen. Das muss auch den leitenden Ärzten bewusst sein.“ Mittlerweile beschäftigt sich der Arzt im Krankenhaus zwischen 30 Prozent und 50 Prozent seiner täglichen Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben, anstatt Patienten zu versorgen. Diese Zeit findet man aber in keinem Stellenschlüssel wieder. Man muss diese Zeit, die für die überbordende Bürokratisierung und die Dokumentation von Selbstverständlichkeiten aufgebracht werden muss, ebenso in die Bilanz mit einbeziehen . . . Allerdings zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre, dass wir in Zukunft weiterhin mehr und mehr Verwaltungsaufgaben werden durchführen müssen und dass die Zeit, die uns zur Betreuung unserer Patienten bleibt, weiter konsequent durch neue Vorschriften für Datenerfassung, Datenüberprüfung und das Erstellen schriftlicher Begründungen eingeschränkt werden wird. Dieser Eindruck wird durch den letzten Satz in dem Aufsatz von Herrn Jankowski eindeutig bestätigt. Er schreibt hier: „Wenn der eingeschaltete Anwalt der Erste ist, der nach unergiebigem Briefwechsel zwischen Krankenhaus und Krankenkasse die stationäre Aufnahme einer sechsjährigen Patientin damit begründen kann, dass diese ja erst sechs Jahre alt war und nach der erlittenen traumatischen Verletzung über Nacht unter Beobachtung gehalten werden musste, ist dies keine juristische Leistung, sondern behebt Defizite im Fallmanagement des Krankenhauses.“ Dieser Auffassung möchte ich vehement widersprechen! Das Beispiel, das er benennt, offenbart nicht Defizite im Fallmanagement des Krankenhauses, sondern vielmehr Defizite bei der Beurteilung von Kranken­haus­auf­enthalten. Es ist für jeden normal denkenden Menschen eine Selbstverständlichkeit, dass die Verantwortung für ein verletztes Kind, das einer medizinischen Betreuung bedarf, nicht an medizinische Laien abgegeben werden darf. Aber gerade dieser Aspekt, dass auch die physische und psychische Gesamtsituation von Menschen in der Ausnahmesituation einer Erkrankung bedacht werden muss, wird immer wieder in den Gutachten des MDK ignoriert und führt dann zur Ablehnung von Kostenübernahmen durch die Kassen. Es gibt nun einmal Dinge, die im Umgang mit kranken Menschen bedacht sein wollen und die ein verantwortungsvoller Arzt auch bedenkt . . .
Dr. med. Ralf D. Nyszkiewicz, Dorfstraße 49,
25436 Heidgraben
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