ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2007Praktisches Jahr: Ungenutzte Chance

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Praktisches Jahr: Ungenutzte Chance

Dtsch Arztebl 2007; 104(34-35): A-2337 / B-2068 / C-2000

Oltmanns, Holger

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LNSLNS Vergleicht man die Tätigkeiten eines deutschen Studenten im praktischen Jahr mit denen eines Studenten im englisch geprägten und amerikanischen Ausland im letzten/praktischen Jahr der jeweiligen Medizinausbildung, so kann man sagen, dass die Qualität und Quantität der deutschen PJ-Ausbildung erbärmlich ist. Das Ziel, welches sinnvollerweise in diesem Stadium erreicht werden sollte, ist, exzellent ausgebildete, oder besser: trainierte Ärzte zu erhalten, die sich auf einem Höhepunkt des Wissens und der Fähigkeiten befinden, und die fit sind, selbstständig und selbstbewusst ins Berufsleben zu starten. Dies erfordert einen hohen Aufwand an Organisation im PJ, entsprechend ausgebildete Ausbilder und eine intensive Betreuung sowie ein Curriculum für jede einzelne Fachabteilung und: einen entsprechenden Zeitrahmen für die Ausführung dieser Aufgaben. Trotz engagierter Kollegen in den Lehrkrankenhäusern und teilweise gut organisierter PJ-Unterrichtsveranstaltungen wird dieses enorm wichtige Ziel im Wust von Arbeitszeit, Wirtschaftlichkeit, Bürokratie etc. massiv an den Rand gedrängt, oder es geht komplett unter. Eine gute PJ-Ausbildung scheint leider nirgendwo als elementarer Bestandteil eines Lehrkrankenhauses aufzutauchen, so wie es z. B. eine technische Abteilung oder eine Controlling-Abteilung sind. Daher sind auch die verfügbaren Kapazitäten der Lehrenden nur sehr begrenzt. Die Qualität der Ausbildung ist hauptsächlich vom persönlichen Engagement der Kollegen zusammen mit der im Alltag verbleibenden Zeit abhängig . . . Anstatt tägliche oder mehrfach tägliche Ausbildung zu erhalten und sinnvoll in den medizinischen Alltag im Krankenhaus eingebunden zu sein, werden im praktischen Jahr von den Studenten vielfach Tätigkeiten verrichtet, die nicht der Ausbildung dienen oder die man als einfachere Hilfstätigkeiten beschreiben kann. Dass Studenten für solche Tätigkeiten, wie z. B. Blutabnehmen oder einfaches Hakenhalten eine Vergütung verlangen, erscheint mehr als gerechtfertigt. Nicht gerechtfertigt ist es, die Chance einer soliden Ausbildung der PJ-Studenten im Krankenhaus ungenutzt zu lassen . . .
Dr. med. Holger Oltmanns, Amtsstraße 78 d,
22149 Hamburg
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