ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2007Erbrecht und Testament: Versäumnisse führen zu Schieflagen

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Erbrecht und Testament: Versäumnisse führen zu Schieflagen

Dtsch Arztebl 2007; 104(34-35): A-2364 / B-2093 / C-2025

Knieper, Joachim H.; Beder, Bernd

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LNSLNS Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Das Vermögen des Verstorbenen wird dann häufig anders vererbt, als der Verstorbene es gewünscht hätte.

Obwohl die Themen Tod, Erbschaft und Vermögensübertragung jeden angehen, werden sie häufig verdrängt und deshalb vernachlässigt. Wie verständlich ein solches Verhalten auch sein mag, Schieflagen wegen unterlassener Verfügungen von Todes wegen lassen sich nach dem Ableben nicht mehr korrigieren.
Gesetzliches Erbrecht
Hinterlässt der Verstorbene kein Testament, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, denn es gibt nach deutschem Recht keine herrenlosen Vermögen. Deshalb regelt das Gesetz die bei Fehlen eines Testaments eintretende Erbfolge sehr genau. Die nächsten Verwandten erben dabei immer vor den weiter entfernten Verwandten. Kinder und Enkel stehen an erster Stelle (Erben 1. Ordnung). Danach kommen als Erben 2. Ordnung die Eltern, und wenn diese nicht mehr leben, die Geschwister. Erben 3. Ordnung sind dann die Großeltern beziehungsweise die Vettern und Cousinen. Erben der jeweils niedrigeren Ordnung schließen die Erben der höheren Ordnung aus.
Bei Ehegatten hängt der Umfang des Erbrechts vom miteinander vereinbarten Güterstand ab. Im Falle des gesetzlichen Güterstandes (Zugewinngemeinschaft), der immer dann vorliegt, wenn die Ehegatten keinen Ehevertrag geschlossen haben, bekommt der überlebende Ehegatte immer die Hälfte des Vermögens – ein Viertel als Nachlass und ein weiteres Viertel als „pauschalierten Zugewinnausgleich“. Die Kinder erben die andere Hälfte zu gleichen Teilen. Sind keine Kinder vorhanden, erhält der überlebende Ehegatte insgesamt drei Viertel des Nachlasses. Das verbleibende Viertel bekommen die Eltern des Verstorbenen oder deren Kinder. Sind auch keine Erben der 2. Ordnung vorhanden, bekommt der überlebende Ehegatte alles.
Haben die Ehegatten Gütertrennung vereinbart, erhält der Ehegatte den pauschalierten Zugewinnausgleich nicht. Haben die Eheleute zum Beispiel zwei Kinder, erbt der überlebende Ehegatte mit den Kindern zu gleichen Teilen. Er bekommt also ein Drittel, die Kinder bekommen auch jeweils ein Drittel. Sind mehr als zwei Kinder vorhanden, bekommt der überlebende Ehegatte auf jeden Fall ein Viertel des Nachlasses. Die Kinder bekommen den restlichen Nachlass zu gleichen Teilen.
Hat der Verstorbene keine Verwandten, so erbt der Fiskus des Bundeslandes, in dem der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte.
Testament
Möglicherweise entspricht die gesetzliche Erbfolge nicht den Wünschen des künftigen Erblassers. Für diesen Fall stellt das Gesetz als Instrument der Gestaltung das Testament zur Verfügung. Häufig werden Testamente vor einem Notar errichtet. Die Beachtung der notariellen Form ist aber nicht unbedingt erforderlich. Hierbei sind jedoch Formvorschriften zu berücksichtigen, deren Nichteinhaltung zur Nichtigkeit des Testaments führt.
So muss das Testament eigenhändig (handschriftlich) geschrieben werden. Die Abfassung darf also keinem anderen überlassen werden. Der Testierende muss sich schon selbst die Mühe machen, seinen letzten Willen zu Papier zu bringen.
So hilfreich die moderne Computertechnik auch sein mag, technische Hilfsmittel haben bei der Abfassung des Testaments nichts zu suchen, mag die eigene Handschrift auch noch so unleserlich sein. Die fehlende Handschriftlichkeit stellt auch heute noch die häufigste Ursache der Nichtigkeit dar. Das Gleiche gilt für das Erfordernis der Unterschrift. Häufig wird sie vergessen, hin und wieder findet man auch einen Strich mit einer Ecke am Anfang oder am Ende. In beiden Fällen ist das Testament nichtig. Ort und Datum der Testamentserrichtung müssen nicht unbedingt angegeben werden; die Angabe ist aber sinnvoll, da jedes neuere Testament die vorhergehende letztwillige Verfügung aufhebt.
Wichtig ist, dass im Testament eine oder mehrere Personen als Erben bestimmt werden. Die Verteilung einzelner Vermögensgegenstände reicht in diesem Falle nicht aus. Wer erbt, bekommt nicht nur Vermögen, er übernimmt auch die Schulden. Das Vermögen geht nämlich auf die Erben in genau dem Zustand über, in dem es sich zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers befand.
Totensorge
In manchen Testamenten sind Verfügungen darüber getroffen, wie die Beerdigung stattzufinden hat. Solche Verfügungen gehören nicht in ein Testament. In der Regel wird ein Testament etwa zwei Wochen nach dem Tod des Verstorbenen eröffnet. Die Beerdigung findet jedoch meist sehr zeitnah zum Todeszeitpunkt statt. Die Hinterbliebenen erfahren dann erst nach der Beerdigung, in welcher Form sie nach dem Wunsch des Verstorbenen hätte stattfinden sollen. Die Regelung der Beerdigung obliegt nicht den Erben. Hierzu sind vielmehr die nächsten Familienangehörigen verpflichtet. Die Kosten der Beerdigung stellen aber immer eine sogenannte Nachlassverbindlichkeit dar, die die Erben auch dann zu tragen haben, wenn sie nicht zu den nächsten Familienangehörigen zählen.
Joachim H. Knieper, Berlin
Bernd Beder, Bonn
E-Mail: rabeder@t-online.de
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