ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2007Morbus Alzheimer: Gedächtnis-Ambulanz stellt Frühdiagnose

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Morbus Alzheimer: Gedächtnis-Ambulanz stellt Frühdiagnose

Dtsch Arztebl 2007; 104(34-35): A-2365

Leinmüller, Renate

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Foto: Lundbeck GmbH Demenz: Eine Herausforderung auch für pflegende Angehörige
Foto: Lundbeck GmbH
Demenz: Eine Herausforderung auch für pflegende Angehörige
Degenerierte Nervenzellen im zentralen Nervensystem sind nicht regenerationsfähig. Für das Ziel, mit heutigen Therapieverfahren den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit möglichst weit hinauszuschieben und die Selbstständigkeit lange zu bewahren, ist die frühe Diagnose und Therapie einer Alzheimer-Demenz, der häufigsten Demenzform, entscheidend.
„Gelingt es uns, den Erkrankungsbeginn um zehn Jahre nach hinten zu verschieben, haben wir sehr viel gewonnen“, erklärte der Leiter der Mainzer Gedächtnis-Ambulanz, Dr. med. Andreas Fellgiebel. Mit der Reduktion vaskulärer Risikofaktoren sowie vermehrter körperlicher und geistiger Aktivität stünden heute schon sekundär-präventive Möglichkeiten zur Verfügung.
Mit steigender Lebenserwartung wird die Demenz (15 Prozent der 80- bis 85-Jährigen sind betroffen) zur Herausforderung. „Schnittstelle“ für die Früherkennung – und den möglichst langen Erhalt einer guten Lebensqualität – ist der Hausarzt. Das Herzstück der Frühdiagnostik ist, neben Anamnese und psychiatrisch-neurologischer Untersuchung, die neuropsychologische Testung. Die häufigste Differenzialdiagnose, eine leichte kognitive Störung im Rahmen einer (Alters-)Depression, ist gleichbedeutend mit „Entwarnung“ und lässt sich gut behandeln.
Verstärkt sich der Alzheimer-Verdacht durch auffällige kognitive und affektive Symptome, erfolgt eine Ausschlussdiagnostik mittels strukturellen Bildgebungsverfahren (cCT, cMRT) und Laborparametern (TSH, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte, Blutbild, Cholesterin, Vitamin B12, Folsäure). Bei Unklarheiten können spezifische Zusatz-untersuchungen durchgeführt werden – etwa ein FDG-PET zur Erfassung typischer Veränderungen des zerebralen Glucosestoffwechsels oder Liquor-Proteine wie Beta-Amyloid und Tau-Protein.
Der Hausarzt erhält für die weitere Betreuung des Patienten Vorschläge für ein individuelles „Fallmanagement“, das nicht nur medikamentöse Therapieempfehlungen enthält. Die Klinik stellt ihm und der betroffenen Familie auch psychologische Fachkräfte zur Seite.
Unterstützung auch für die Angehörigen
Selbst in frühen Stadien der Alzheimer-Demenz sind affektive Symptome (wie Apathie, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit) nach den Erfahrungen von Fellgiebel häufig. Viele Auffälligkeiten im täglichen Verhalten bei der demenziellen Entwicklung belasten insbesondere Partnerschaft und Familie; jeder zweite Angehörige eines Alzheimer-Patienten entwickelt in der Anfangsphase aufgrund der psychischen Belastung depressive Symptome, aber auch viele Patienten selbst.
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, bieten die Mainzer Wissenschaftler eine frühe psychosoziale Betreuung und Schulung an, bei der die Familie gestützt und der Zusammenhalt gefördert wird. Bei den Patienten wird ein ressourcen-orientierter Ansatz verfolgt, um das Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
Erfolgreich läuft seit 2002 auch die verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapie für Patienten mit leichter Demenz und deren Angehörige unter Leitung der Psychologin Ingrid Schermuly. Zusätzlich vermitteln die Fachkräfte Wissen um technische und kommunikative Hilfen, sprechen Vorsorgevollmachten oder die Pflegeplanung an: Der Patient wird damit in die Lage versetzt, seine Zukunft zu planen, solange er das noch selbst entscheiden kann.
Mainz bietet integrierte
Versorgung als Modell
Fast alle deutschen Universitätskliniken unterhalten eine Gedächtnis-Ambulanz. Die meisten dieser Memory-Kliniken haben sich der wissenschaftlichen Forschung verschrieben, nur wenige einen Schwerpunkt zur medizinischen Versorgung von Demenzpatienten etabliert. Die Mainzer Gedächtnis-Ambulanz bietet im Rahmen eines Modellprojekts derzeit als einzige eine integrierte Versorgung an. Über eine modulare Diagnostik wird dabei die frühe Diagnostik und Therapie von Demenzpatienten gefördert.
Hausärzte profitieren von Diagnostik und Therapieempfehlungen, Patienten von kurzen Wartezeiten – und beide vom angebotenen Case-Management: Über die unmittelbare Diagnostik hinaus beraten Fachkräfte die Patienten und ihre Familien über notwendige Hilfestellungen und unterstützen bei der Vermittlung. Bei diesem Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Barmer Ersatzkasse und niedergelassenen Hausärzten entstanden ist, bleibt der Hausarzt primärer Behandler.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Fachpressegespräch der Firma Lundbeck in Mainz: „Noch behandlungswürdig? Alzheimer-Therapie: Nutzen in der Praxis“
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