GELDANLAGE

Ruhig Blut

Dtsch Arztebl 2007; 104(34-35): A-2366 / B-2094 / C-2026

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Was sich derzeit an den Börsen abspielt, kann nur diejenigen ernsthaft erschrecken, denen der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist oder die sich allzu sehr auf die Beteuerungen ihrer Bankberater verlassen haben. Die Situation ist so oder so fatal, und das Entsetzen wird um exakt die Strichmarken größer, je näher der DAX die Marke von 6 000 Punkten anvisiert. Meiner Meinung nach kann es den Index noch locker 1 000 Punkte runterziehen. Wenn Panik herrscht, fallen die Kurse halt genauso schnell, wie sie ehemals gestiegen sind.
Einmal davon abgesehen, dass in dieser Kolumne rechtzeitig und mehrfach vor dem jetzigen Niedergang gewarnt wurde, wofür ich durchaus den einen oder anderen gehässigen Leserbrief kassiert habe, kann der Lehrsatz, was steigt, muss auch wieder fallen (können), einem nicht wirklich als überraschende Neuigkeit erscheinen.
Der Markt „atmet“ eben, und wenn Kurse nicht anderes sind als eine mathematisch abgezinste Formel der künftigen Erträge, dann ist die derzeitige Subprime-Krise eben bloß ein Indiz darauf, dass der Wirbel um faule Hypothekenkredite und ihre Mehrfachverbriefung auch auf die Realwirtschaft übergreifen kann (und wird).
Wundern darf das aber eigentlich niemanden. Wenn die Banken plötzlich Geld bunkern und Kredite nur sehr partiell an erste Adressen vergeben, dann können freilich viele angedachte Projekte nicht mehr realisiert werden, was sich bereits in den Gewinnrechnungen der Unternehmen im nächsten Jahr und danach negativ niederschlagen wird. Folge: Der Aktienkurs, der eben noch „in Ordnung“ war, wird nun um, sagen wir mal, 20 Prozent tiefer als angemessen bewertet angesehen.
Panik ist in der jetzigen Situation gleichwohl nicht der passende Ratgeber. Besonnene Anleger bewahren in dieser Situation ruhig Blut, jetzt Werte Knall auf Fall zu verkaufen, ist sicher keine vernünftige Strategie.
Allerdings kommt es nun umso mehr darauf an, Qualität im Depot zu haben. Wer etwa Allianz, Münchener Rück oder Bayer in Besitz hat, sollte auf gar keinen Fall verkaufen, sondern vielmehr bei weiter fallenden Kursen sukzessive dazukaufen. Die Schwierigkeit ist halt, sich von dann noch niedrigeren Börsennotierungen nicht jeck machen zu lassen, sondern den Erwerb als günstige Kaufgelegenheit anzusehen.
Wichtig ist es aber auch, die Aktienquote so niedrig zu halten, dass das Nervenkostüm nicht unnötig strapaziert wird, will heißen, mehr als ein Drittel sollte nicht in Dividendentitel investiert werden. Wer mit dem großen Rest auf dem Geld sitzen bleibt und schöne Tagesgeldzinsen kassiert, macht im Moment vermutlich alles richtig.
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