ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Erneut Krebsregister gefordert

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Erneut Krebsregister gefordert

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2376 / B-2102 / C-2034

EB

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LNSLNS In Europa überlebt etwa die Hälfte der Krebspatienten mindestens fünf Jahre nach der Diagnosestellung. Damit hat sich die Prognose in den letzten Jahren verbessert – sie erreicht aber längst nicht das US-Niveau. Zu diesem Ergebnis gelangt die in „Lancet Oncology“ (online) veröffentlichte Auswertung der Eurocare-Datenbank, die 83 Krebsregister aus 23 Ländern beinhaltet. Aus Deutschland werden aufgrund der unzureichenden Registrierung von Krebserkrankungen nur Daten aus dem Saarland in die Datenbank integriert.
Während andere Staaten Krebsregister mit einer 100-prozentigen Abdeckung etabliert haben (Skandinavien, die Britischen Inseln, Österreich, Malta und Slowenien), ist in Deutschland die Meldung und Registrierung von Krebs nach wie vor Länderhoheit. Die Folge davon ist, dass es in vielen Bundesländern nur unzureichende Register mit Doppel- und fehlerhaften Meldungen gibt. Seit Jahrzehnten setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) für die Einführung eines bundesweiten klinischen Krebsregisters ein.
Plädoyer für eine Meldepflicht
„Diese Forderung hat nie Gehör gefunden“, kritisiert der DGHO-Vorsitzende, Prof. Dr. med. Gerhard Ehninger: „Dass die Auswertung für Deutschland mit dem Saarland nur ein Prozent der Bevölkerung erfasst, ist ein Skandal. Es kann nicht sein, dass eine Bewertung der Krebsbehandlungen hierzulande nicht möglich ist, weil keine bundesweit einheitlichen Zahlen zur Verfügung stehen.“ Die DGHO empfiehlt, an das zu etablierende überregionale Register auch eine Forschungsstelle anzuschließen, um epidemiologische und klinische Daten auswerten zu können. Eine Basisdokumentation der durchgeführten Therapien und ihrer Ergebnisse im Sinne eines klinischen Krebsregisters zur Verbesserung der Versorgungs- und Therapieoptimierungsforschung sollte eingeschlossen werden. Um einen flächendeckenden Informationsfluss zu garantieren, hält die DGHO die Einführung einer Meldepflicht für Krebserkrankungen für erforderlich.
Darüber hinaus engagiert sich die Fachgesellschaft für die Einrichtung und Zertifizierung onkologischer Zentren, in denen die Patienten interdisziplinär behandelt werden sollen. „Viele Tumorpatienten werden heute nicht von entsprechend ausgebildeten Fachleuten behandelt“, so Ehninger. Dies widerspreche der Natur von Krebserkrankungen, die als Systemerkrankung und nicht als Erkrankung eines Organs betrachtet werden müssten. EB
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