ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Integrationsversorgung: Verträge können neue Perspektiven bieten

POLITIK

Integrationsversorgung: Verträge können neue Perspektiven bieten

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2380 / B-2106 / C-2038

Rabbata, Samir

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LNSLNS Haus- und Fachärzte wollen die Versorgung im ländlichen Raum verbessern. Ein Beispiel aus Brandenburg

Zumindest was ihre Verbreitung angeht, kann von einer Erfolgsgeschichte gesprochen werden. Rund 3 500 Verträge zur integrierten Versorgung mit einem Vergütungsvolumen von 611 Millionen Euro wurden nach Angaben der Bundesregierung seit Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes 2004 geschlossen. Doch viele Verträge folgen dem Prinzip „quick and dirty“, weil es den Partnern vor allem um den schnellen Vertragsabschluss und um die Anschubfinanzierung geht. Ein medizinischer Mehrwert für die Patienten ist dabei oft nicht zu erkennen.
Es liegt nahe, dass solche Verträge vor allem dann geschlossen werden, wenn die Unterzeichner nicht direkt mit den Patienten zu tun haben. Demgegenüber zeigen zahlreiche Integrationskonzepte, die von Ärzten initiiert oder zumindest in enger Abstimmung mit ihnen auf den Weg gebracht wurden, dass es auch anders geht. Dr. med. Andreas Hagenow, Geschäftsführer des Ärztenetzes Südbrandenburg (ANSB), weist darauf hin, dass Ärzte von gut gemachten Verträgen nicht nur finanziell profitierten. Solche Zusammenschlüsse könnten die Kommunikation mit den Kollegen verbessern und die einzelnen Vertragspartner über den eigenen Tellerrand hinausblicken lassen.
Erst die Strukturen, dann
die Verträge
Zu den bekanntesten Modellregionen für eine sektorenübergreifende Vollversorgung zählt das Kinzigtal im Schwarzwald. Die Versicherten können sich in das von Ärzten und der AOK Baden-Württemberg initiierte Modell einschreiben und erhalten dann eine Rundumversorgung. Der gewählte Arzt nimmt dabei die Rolle des Koordinators für den Behandlungsprozess ein. In der Region Amberg/Sulzbach-Rosenberg haben sich mehr als 80 niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Kliniken zu dem „Unternehmen Gesundheit“ zusammengeschlossen. Erster Vertragspartner ist die AOK Bayern, die das Projekt auch finanziell fördert.
Ohne Unterstützung müssen dagegen die Brandenburger Ärzte auskommen. Bereits vor zwei Jahren taten sich die mehr als 50 Haus- und Fachärzte zusammen, um die Versorgung der ländlichen Region zu verbessern. In Verhandlungen mit den Kassen tritt das Ärztenetz erst jetzt. „Wir haben die erste Zeit genutzt, um funktionierende Strukturen aufzubauen“, erklärt Hagenow das ungewöhnliche Vorgehen.
Fernziel „Managed Care“
So sei das Herzstück dieser Versorgungsform ein vom ANSB entwickeltes Konzept zur Qualitätssicherung. Dabei seien aus aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien konkrete Behandlungspfade für die Patienten entwickelt worden. Zudem würden im Rahmen der laufenden Verhandlungen mit den Krankenkassen Modelle zur Versorgung chronisch kranker Patienten gestaltet. Doch Hagenow hat noch mehr vor: „Unser Ziel ist es, uns zu einem klassischen Managed-Care-Unternehmen zu entwickeln.“ Für den Kardiologen steht außer Frage, dass diese Versorgungsform künftig einen festen Platz im deutschen Gesundheitswesen einnehmen werde. Doch, räumt er ein, bis dahin sei es noch ein weiter Weg.
Samir Rabbata
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